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Ein „mobiles Konzertzimmer“

HINTERGRUND / FESTSPIELE

Konzertsaal-Austik ist ein Hund. Der Schreiber dieser Zeilen erinnert sich an die Erstbegehung im damals funkelnagelneuen Haus für Mozart. Das „Klick“, mit dem eine Musikerin am Podium ihren Geigenkasten öffnete, war ganz oben im Zuschauerraum so deutlich zu hören, als ob man unmittelbar daneben stünde.

Von Reinhard Kriechbaum

Voraussetzung für optimales Hören also? Die glasklare Transparenz war dann im Konzert-Ernstfall gar nicht immer so optimal. Manche Holzbläserstimme hat sich, unverschuldet von den Musikern, in den Vordergrund gedrängt, um nur ein Beispiel zu nennen. Nun hat man im Haus für Mozart eine neue Konzertmuschel gebaut. Das Wort „Konzertmuschel“ darf man nicht ganz wörtlich nehmen: es ist eine Maßkonstruktion für den Bühnenraum, bestehend aus zwei Seitenwänden, einer Rückwand und einem Plafond. Deshalb sprechen die Festspiele auch von einem „mobilen Konzertzimmer“. Wie es klingt, werden wir heute Donnerstag (19.7.) erfahren, im ersten Konzert der Ouverture spirituele.

Die neue Raumsituation ermögliche den Musikerinnen und Musikern ein verbessertes gegenseitiges Hören. „Die neue Konzertmuschel reflektiert den Schall und leitet den Klang in klarer, natürlicher und unverfälschter Weise in den Zuschauerraum.“ Zum Einsatz komme die Konstruktion vor allem bei Orchesterkonzerten mit oder ohne Beteiligung eines Chors.
Um den akustischen, technischen und ästhetischen Ansprüchen noch besser Rechnung zu tragen, hatte es sich das Team um die Technische Direktion der Salzburger Festspiele mit deren Direktor Andreas Zechner und die mit der Projektleitung und Gestaltung betraute designierte Ausstattungs- und Werkstättenleiterin Sandrina Schwarz zur Aufgabe gemacht, den Bau einer Konzertmuschel nach modernsten Maßstäben zu realisieren. Das Projekt wurde daraufhin etwa einen Monat lang geplant und vorbereitet, innerhalb eines Zeitraums von drei Monaten wurde sodann der gesamte Holz- und Stahlbau in den Werkstätten der Salzburger Festspiele hergestellt. „Sämtliche konstruktiven, statischen und technischen Fragen und Aufgaben von der Gestaltung der Wände mit konvexen Flächen über den Einsatz richtiger Materialien bis hin zur Anordnung einer ausreichenden Anzahl von Stufen-Podesten im Hinblick auf die individuellen Anforderungen von Chor- und Orchesterkonzerten konnten mit hauseigener Kompetenz gelöst werden“, berichtet man nun nicht ohne Stolz. Zur Anordnung von Orchester und Chor in den hinteren Reihen wurden fünf elf Meter breite und einen Meter tiefe Stufen-Podeste sowie eine Tribüne in Holzbau hergestellt.
Für jedes der fünfzehn seitlichen und rückwärtigen Wandelemente wurden Kern-Esche-Furniere zusammengesetzt und auf Holzplatten geleimt. Diese Furnier-Holz-Platten wurden auf eine Holzträger-Konstruktion aufgesetzt und mit dieser zu einer sieben Meter langen und eineinhalb Meter breiten Zarge verleimt. Bei der Holzverarbeitung wurde in intensiver Zusammenarbeit mit der österreichischen Firma Frischeis das Furnier bemustert und aus einem einzigen Stamm einer Kern-Esche entwickelt. Die Zarge wurde mit einer Stahl-Konstruktion verbunden und in vertikale Lage gebracht. Diese Elemente können platzsparend gelagert und auch zügig eingerichtet werden. In den vierteiligen Plafond sind Decken-Leuchten eingelassen. Die Deckensegel werden mit 15 Grad Neigung in die Obermaschinerie eingehängt.
Platzsparende Lagerung im Bühnenraum selbst und Geschwindigkeit beim Auf- ind Abbau sind ja essentiell im Sommer ob des beständigen Wechsels von Opernaufführungen und Konzerten.

Bild: SF/Neumayr/Leo

 

 

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