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Einfach lebenswert

BUCHBESPRECHUNG / RAUM WIRKT

30/11/21 Ein anschauliches Zitat fällt gleich auf den ersten Seiten: „Erst baut der Mensch ein Haus, dann formt das Haus den Menschen.“ Es stammt aus einem Architekturbuch aus den frühen 1930er Jahren, aber es gilt natürlich allezeit und überall. Die Salzburger Architektin Ursula Spannberger fragt in einem neuen Buch danach, was es braucht für „Wohlfühlräume“.

Von Reinhard Kriechbaum

„Da wir über neunzig Prozent unserer Zeit in von Menschen gestalteten Räumen verbringen, erschien es mir lohnend, mich mit der Wirkung zu beschäftigen“, schreibt Ursula Spannberger. Dass gerade sie auf die Idee kommt, ein solches Handbuch über die Wechselwirkungen zwischen individuellen Gefühlen und den jeweiligen Räumen zu schreiben, verwundert nicht. Auf ihrer Visitenkarte steht ja nicht nur Architektin, sondern auch Moderatorin. Sprich: Sie ist eine – und das ist so selbstverständlich nicht in dieser Zunft – die nicht auf künstlerische Selbstverwirklichung aus ist, sondern genau hinhört. Dementsprechend plaudert sie in diesem Buch immer wieder aus der (eigenen) Schule.

„Meine ersten drei Aufträge, die mich 1990 recht unvermittelt und ohne Sicherheitsnetz in die Selbstständigkeit als Architektin springen ließen – TOIHAUS-Theater in Kombination mit Galerie Fotohof in der Franz-Josef-Straße, Um- und Zubau Einfamilienhaus Georg Kroppstraße, Dachbodenausbau Linzergasse – hatten eines gemeinsam: Sie waren eher klein, aber komplex und ich hatte mit ausgeprägten Wünschen der Nutzerinnen zu tun.“ Es habe ihr, so schreibt Ursula Spannberger, „schon damals größte Freude bereitet, durch akribisches Nachfragen herauszukitzeln, welche Bedürfnisse sich hinter den Wünschen eigentlich verbergen.“ Ein Auskundschaften von Bedürfnissen, das auch den Kundinnen und Kunden neu war und ein Umdenken nach sich zog. Nicht immer ein einfacher Vorgang.

Die Erfahrung daraus: Es fehle an „verständlichen und vergleichbaren Kriterien, die Fachleute und Laien auf Augenhöhe bringen, um räumliche Anforderungen zu erläutern, abzustimmen und konkrete Ziele zu definieren“. Damit will Ursula Spannberger mit dem Buch Raum wirkt wie in ihrer Arbeit als Moderatorin gegensteuern. Von einem neunteiligen „Methodenkatalog in Alltagssprache“ ist im Klappentext die Rede.

Die Stichwörter könnten unterschiedlicher nicht sein: „Gefühltes Raumklima – Behaglichkeit“ ist ein Punkt, der einem natürlich zum Wohlfühl-Wohnen spontan einfällt. „Nähe und Distanz – Hierarchie“ ist schon gefinkelter. Gilt für mich My home is my castle? Will ich mich abschotten? Oder könnte sich genau das zum Problem auswachsen, wenn man allein lebt, älter und krank wird? Da haben Architektinnen und Architekten Erfahrungen, die es lohnt, zu berücksichtigen.

Auf dieser Ebene also Handleitungen, immer verbunden mit Fallbeispielen aus der eigenen Planungs- und Vermittlungstätigkeit von Ursula Spannberger. Die Autorin beschreibt es dezidiert als „ein Praxishandbuch, sehr persönlich und mit biographischen Splittern, auf der Basis von Forschung. Aber kein theoretisches Werk, sondern Werkstattbericht, Orientierung, Ratgeber, Werkzeugkasten, handlungsorientierte Wissensvermittlung in Alltagssprache, mit Zitaten von Architekt*innen und vielen O-Tönen von Beteiligten“.

Ursula Spannberger: Raum wirkt. Verlag Ludwig, Kiel. 157 Seiten, 34,90 Euro – www.raumwert.cc

Eine Lesung mit Mini-Workshop findet morgen Dienstag (8.3.) um 19 Uhr im ICT&Scenter (Sigmund haffnergasse 18) statt

 

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