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Die Mama war wirklich „im Oasch“

FILM / DIE BESTE ALLER WELTEN

07/09/17 „Is die Mama im Oasch?“, fragt der Bub einen jener Männer, die man nicht unbedingt als Kumpanen eines heranwachsenden Kindes sehen möchte. Adrian Goiginger hat sein Aufwachsen in Lehen in einen einprägsamen, international viel gelobten Film verwandelt. Die Geschichte eines jungen Lebens, das nicht unbedingt hätte gelingen müssen...

Von reinhard Kriechbaum

Ein solcher Preisregen ist kaum einmal über Salzburger Filmschaffendenniedergegangen wie über den Regisseur Adrian Goiginger und seine Hauptdarstellerin Verena Altenberger im Film „Die beste aller Welten“. Bei der Berlinale gab's dafür den Kompass-Perspektive-Preis, in Wien den Young Director Award, bei der Diagonale schließlich gleich drei Auszeichnungen: für Verena Altenberger als Beste Schauspielerin, für Veronika Merlin fürs beste Szenenbild – und das Publikum in Graz kürte „Die beste aller Welten“ obendrein zum beliebtesten Film.

Zum Drüberstreuen hat Verena Altenberger, bekannt geworden in „Magda macht das schon“ und „Die Hölle“, noch beim Filmfestival Moskau den Preis als Beste Darstellerin eingeheimst.

Da und dort war der Film in Salzburg schon zu sehen (etwa bei der „Juvinale“ im Juli), aber morgen Freitag (8.9.) kommt er in die österreichischen Kinos. Zur offiziellen Premiere um 20.30 Uhr im Filmkulturzentrum „Das Kino“ erscheint das ganze Team. Allen voran natürlich Adrian Goiginger, der in „Die beste aller Welten“ seine Jugend in Lehen beschreibt.

Aufwachsen in Lehen, das wäre so schlimm nicht gewesen. Goigingers Mutter (sie ist jung an Krebs verstorben) verkehrte aber in Drogenkreisen. Junkies, Kleinkriminelle, Sozialfälle – das war der Wohnzimmer-Alltag für den Volksschüler. Wenn Besuch vom Sozialamt kam, dann war erstens Wegräumen und zweitens optimale Schauspielerei gefragt. Wie diese Mutter ihrem Kind trotzdem eine glückliche Jugend erkämpft hat, obwohl sie beständig „im Oasch“ war mit ihrer Sucht: Das ist Inhalt dieser Hommage an eine starke Frau, der Verena Altenberger im Film das denkbar stärkste Charisma mitgibt. Und das zählt doppelt, denn neben dem achtjährigen Jeremy Miliker, einem Charmebündel bei Podiumsgesprächen wie auf der Leinwand, ist nicht so leicht zu bestehen. Gegen zweihundert Buben hatte sich das kecke Bürschchen aus St. Johann im Pongau beim Casting durchgesetzt. Die Pongau-Premiere im Heimatort des jungen Darstellers war schon am 1. September im Diesel-Kino St. Johann.

„Der Tod meiner Mutter, die im Juli 2012 im Alter von 39 Jahren starb, war der Anlass für mich, einen Film über ihren Kampf gegen die Heroinsucht und über ihre Liebe zu mir zu machen“, so der 25jährige Filmemacher. „Sie schaffte es, trotz ihrer Abhängigkeit und auf sich allein gestellt, mir eine abenteuerliche liebevolle Kindheit zu ermöglichen. Ein unglaublicher Kraftakt!“

„Dass es seit Jahrzehnten eine große, nicht kleiner werdende, Drogenszene am Stadtrand gibt, wird von den Einwohnern und der Politik ignoriert oder vertuscht“, weiß Adrian Goiginger. „Die authentische Darstellung der Drogenszene der 90er Jahre war eine große Herzensangelegenheit für mich. Diesen Junkies, Dealern, Kleinkriminellen und Arbeitslosen möchte ich mit meinem Film eine Stimme geben und sie nicht als abstoßend, sondern als normale Menschen zeigen, die ihre Trauer und Depression durch Drogen betäuben.“

Was Goiginger damals gelernt hat und heute umso klarer sieht: „Ein Kind muss keinen Reichtum haben, keine Spielsachen, kein gesundes Essen, sondern nur eines: Liebe.“ Demnach sei der Film für ihn eine Liebesgeschichte. „Eine Liebesgeschichte zwischen einem Buben und seiner Mutter, die ihren Sohn über alles liebt und doch so gefangen ist in ihrer Sucht. Doch durch die einzigartige Liebe zueinander wird ihr Leben nicht nur erträglich, vielmehr erschaffen sie sich ihre eigene Welt – die beste aller Welten.“

„Ein solch wahrhaftiger und wahrhaft aufwühlender Film ist selten“, schwärmte die deutsche Kino-Zeit, „Adrian Goiginger ist ein Meisterwerk gelungen.“ Goiginger, geboren 1991 in Salzburg, gründete 2012 die Filmproduktionsfirma 2010 Entertainment, bei der er als Regisseur und Drehbuchautor für zahlreiche Kurzfilme, Werbespots, Imagefilme und Musikvideos verantwortlich zeichnet. 2013 begann er sein Studium der szenischen Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg. „Die beste aller Welten” ist sein Debüt-Kinofilm und wurde bei der berlinale uraufgeführt. Kein schlechter Start ins Film-Leben.

Premiere morgen Freitag (8.9.), 20.30 Uhr im Salzburger Filmkulturzentrum „Das Kino“ – www.daskino.at 
Tags darauf (9.9.) sind Regisseur Adrian Goiginger und Verena Altenberger um 19.30 Uhr im Stadtkino Hallein zu Gast.
diebesteallerwelten.at
Bilder: Bettina Horvath (1); Trailer (2)

 

 

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