asdf
 

Bau-Künstler

 

GLOSSE

Von Reinhard Kriechbaum

04/07/14 Erinnern Sie sich? Bei der ARGEkultur war es so, dass Architekten sich ein ganz tolles Gebäude ausgedacht haben – und als es dann gebaut war, hatte man seine liebe Not damit, die Wände schalldicht zu kriegen. Daran hatte vorher keiner gedacht. So ähnlich muss es beim „Spaßbad“ auch gelaufen sein: Architekten (und Jury) waren am Ende völlig überrascht, dass ein Hallenbad mit Wasser zu tun hat...

Was sollen sich auch Architekten mit Überlegungen abplagen, ob die spektakulären Hüllen, die sie aufs Zeichenpapier bringen, dann auch tatsächlich tauglich für die Inhalte sind. Mit Schall- und Wasserwellen sollen sich gefälligst die Statiker, die Materialkundler und in Folge jene abplagen, die für den Betrieb solcher Bauwerke aufkommen. Architekten sind schließlich keine Baumeister, sondern allein für die Ästhetik der Luft- und Wasserschlösser zuständig.

Auch die Jury, die nun nochmal die Einreichungen fürs Bad im Kurgarten durchackern muss, könnte sich jetzt reichlich überstrapaziert vorkommen. All die Pläne noch einmal durchschauen und darüber nachdenken, ob alles dicht, ausreichend standfest und klimatisch in den Griff zu bekommen ist? Dabei war doch der Hydro-Turm von Babylon, für den man sich im Vorjahr entschieden hatte, so spektakulär, mit seinen übereinander getürmten Becken hinter gläsernen Wänden.

Vielleicht sollte man künftig solche Wettbewerbe einfach ganz anders angehen und sich die Jurymitglieder bei den diversen Gremien der Kulturabteilungen ausborgen. Architektur ist schließlich Baukunst, und über Kunst lässt sich bekanntlich endlos lange und ergebnisoffen diskutieren. Niemand verlangt von einem Künstler Bodenhaftung, und dass er ganz dicht ist, wird auch nicht wie selbstverständlich vorausgesetzt. Dies eben unterscheidet Künstler von Badewannen jeder Größe.

 

DrehPunktKultur - Die Salzburger Kulturzeitung im Internet ©2014