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Tradition überstimmt Buddha und Jesus

HINTERGRUND / BUDDHISMUS IN SALZBURG 4 / FRAUEN

27/09/11 Weder Buddha noch Jesus scheinen sich mit ihrer Akzeptanz der Frau durchgesetzt zu haben. Die Gretchenfrage zu jeder Religion gilt ja längst nicht mehr deren Inhalten, sondern der Stellung der Frau in der Hierarchie. Wie es um diese eigentlich im Buddhismus bestellt ist, fragte DrehPunktKultur nach.

Von Heidemarie Klabacher

„Von Buddha her wären die Frauen den Männern gleichgestellt. Buddha schlug zwei Wege vor: Entweder man lebt im Alltag und verbindet den Alltag mit einem religiösen Weg. Oder man folgt nur dem religiösen Weg. Der vollinhaltliche religiöse Weg war Männern und Frauen geöffnet. Es gab ‚Mönchinnen’ und Mönche“, erklärt Kurt Krammer von der „Buddhistischen Gemeinschaft Salzburg“ in der Lehenerstraße 15. „Aber in vielen Ländern sind durch den Patriarchalismus die Nonnen in den Hintergrund gedrängt worden.“

„Vollgültige Nonnen“ gebe es, so Krammer, derzeit nur in der Mahayama-Richtung des Buddhismus und in Sri Lanka. Im tibetischen Buddhismus sei das „noch immer ein Problem“: „Vor drei Jahren gab es einen eigenen Nonnenkongress in Anwesenheit des Dalai Lama. Und da ist auch nichts herausgekommen.“ Auch dort gebe es die „konservativen Knochen“, die sagen: „Brauchen wir nicht.“ Im Westen hätte der Buddhismus freilich unter Ausschluss oder Diskriminierung der Frauen nicht Fuß fassen können. „Hier tun sich die Buddhisten leichter. Sie müssen nicht gegen eine Tradition ankämpfen. Sie brauchen sich nur auf die Quellen zu berufen.“

Ganz ähnlich beschreibt die Rolle der Frau im Buddhismus Matthias Hohla vom Referat für „Ökumene und Dialog der Religionen“ der Erzdiözese Salzburg: „Die Mönche haben im Buddhismus das Sagen - in allen Richtungen.“ Buddhistische Nonnen hätten bis heute wenig Einfluss und nähmen eine sehr zurückhaltende Position im Hintergrund ein.

„Wie sich ja auch die jesuanische Tradition nicht durchgesetzt hat. Jesus - und auch Paulus, obwohl der immer als Frauenfeind dargestellt wird - haben von ‚Begleiterinnen’ gesprochen. Aber das hat sich nicht durchgesetzt. Die Religionen sind Patriarchalisch.“

Prinzipiell könne im Buddhismus jeder „Erlösung gewinnen“, so Matthias Hohla. Im Hinduismus habe die Frau allerdings eine schlechtere Position, „auch im Karma“. Und der Buddhismus ist ja ursprünglich ein Reformzweig des Hinduismus. „In den Frauenklöstern kann es schon geistliche Führerinnen geben.“ Aber das gelte nicht für den Mainstream. „Bei uns im Westen präsentiert sich der Buddhismus ganz anders: in Form einer völlig liberalen Gruppen-Angelegenheit, die von Konvertiten ausgeübt wird, die ihre westliche Kultur mitbringen. Da ist die Frau gleichberechtigt mit dem Mann.“

Religion habe, so Hohla, immer auch eine „zutiefst kulturelle nationale Konnotation“. Das gilt auch für das Christentum, obwohl man das nicht immer und überall gerne höre: „In jeder Nation wird das Christentum anders gelebt. Wie weit die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau geht, ist immer auch sozial, politisch und kulturell bedingt. Im Westen gibt es die politisch-gesellschaftliche Gleichberechtigung. In anderen Kulturen bis heute nicht.“ Das schlägt auch auf die Religion bzw. die Position der Geschlechter in der Religion durch: „In Afrika wäre es undenkbar, dass Frauen auch nur auf die Idee kämen, zu verlangen, Diakon oder Priester werden zu wollen. Der Vatikan denkt in dieser Frage Weltkirchlich und steht damit in einer Zerreißprobe.“ Der Buddhismus sei „flexibler“, weil dieser ja kein Oberhaupt habe, wie die Katholische Kirche den Papst.

„Es gibt eine Frauen-Linie, es gibt Yoginis und Nonnen im Buddhismus. Dennoch ist der Buddhismus in Tibet leider männerdominiert, obwohl es historisch gesehen wichtige Frauen gegeben hat“, bestätigt Werner Purkhart vom „Buddhistischen Zentrum“ in der Linzer Gasse 27 (das die Stupa auf dem Mönchsberg errichtet hat): „In unserer Diamantweg-Linie im Westen gibt es viele weibliche Lehrer.“ Der starke Unterschied komme aus der Mönchstradition. „Wir sind eine Mischform. Bei uns stehen Mann und Frau mit beiden Beinen im normalen Leben und verweben den Buddhismus in alles hinein, was wir tun.“ (Ende der Serie)

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