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25 Minuten Henze erfolgreich durchgehalten

OSTERFESTSPIELE / STAATSKAPELLE / JUROWSKI

21/03/16 Verrückte Welt! Da wendet sich ein Dirigent ans Publikum und bedankt sich, dass es noch so gut wie vollständig da sitzt – steht doch ein Werk von Hans Werner Henze auf dem Programm. Selbstgefällige Lacher aus dem Auditorium...

Von Reinhard Kriechbaum

Voller Stolz also klopfen wir uns also selbst auf die Schulter: 25 Minuten Henze durchgehalten, und das, obwohl man leicht hätte gehen können in der Pause! Jene, die auch wirklich die Ohren offen gelassen haben, werden zwischendurch draufgekommen sein, dass Hans Werner Henze es den Zuhörern mit seiner „Sinfonia 8“ (von 1992) alles andere als schwer gemacht hat. Es ist eine opulente, fast schon schwatzhafte, jedenfalls vielgestaltige Komposition. Nennen wir sie postmodern, damit sie in einer einigermaßen passenden Schublade eingeordnet ist.

Man könnte auch altmodisch sagen: Programmmusik. Denn der „Sommernachtstraum“ war für Henze Inspirationsquelle. Es ist viel los in den drei Sätzen, nicht nur im mittleren, wo der in einen Esel verwandelte Bottom mit seinen rhythmisch derb stolpernden Tanzschritten Titanias Zauberblumen-bedingter zärtlicher Liebe entgegen tölpelt, was gehörig Effekt macht. So etwas kann man sogar dem Osterfestspiel-Publikum schmackhaft machen. Es war also nicht wirklich mutig, diesen eh auch schon wieder ein Vierteljahrhundert alten Symphonien-Turbo ans Ende der Programmfolge zu setzen.

Die richtete sich an Shakespeare und seinem „Sommernachtstraum“ aus: Vladimir Jurowski, ein hierzulande festspielmäßig noch überhaupt nicht abgegriffener Dirigent der mitteljungen Generation hat sich gleich eingangs mit Webers Oberon-Ouvertüre in ein gutes Licht stellen können. Der 1972 in Moskau Geborene ist ja quasi in Dresden und Berlin musikalisch sozialisiert worden. Er findet einen unverkrampften Zugang zur deutschen Romantik, lässt etwa im Oberon-Vorspiel die Holzbläser gleich mal so munter wie mit Understatement in die sanften Streicher hineinquirlen. Das hatte insgesamt viel Poesie. Hier und in Mendelssohns „Sommernachtstraum“-Ouvertüre hat das Orchester dem Mann am Pult nicht nur willig, sondern mit Empathie zugearbeitet, was sich aus einer Fülle liebevoll modellierter Einzelheiten hat ablesen lassen. Da waren Leute so ganz im Gleichklang gestimmt.

Das Hautptwerk des ersten Orchesterkonzerts der Osterfestspiele hatte mit dem Sommernachtstraum freilich nichts zu tun: Es war Beethovens Erstes Klavierkonzert. Und auch da hat man den Dirigenten als einen beobachten dürfen, der das tempoflexible Begleiten eines Solisten sozusagen im kleinen Finger hat, aber sich mit dem Dazuspielen-Lassen bei weitem nicht begnügt. Das war dann eine gute Voraussetzung für manch überraschende Dialoge mit dem Solisten Rudolf Buchbinder, die wie aus dem Augenblick heraus empfunden wirkten (durchaus nicht bis ins Letzte „geprobt“ oder gar ausgefeilt). Am lustvoll Spontanen schienen alle Beteiligten, auch Buchbinder, zunehmend Freude zu gewinnen. Buchbinder hat manchen Lauf akustisch verduften lassen können und wusste sich dabei stets federlicht begleitet. Und wie Vladimir Jurowski immer wieder die Holzbläser kreativ dazu gewichtete, sich also „sprechend“ einmengte – das war vielsagend und vor allem immer quicklebendig. Viel anregender als blanker Perfektionismus...

Das Programm wird am Samstag (26.3.) im Großen Festspielhaus wiederholt – www.osterfestspiele-salzburg.at
Bilder: Osterfestspiele / Michael Größinger

 

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