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Passion als Kontemplation

HÖRVERGNÜGEN / BACH  / MC CREESH

26/03/20 Eine CD kaufen gehen? Geht leider gerade nicht. Wir haben den Salzburger CD-Händler Andreas Vogl gebeten, unseren Leserinnen und Leser einige seiner Lieblings-CDs vorzustellen. Die gute Nachricht: Man kann diese CDs auch gleich bei ihm bestellen.
Heute empfiehlt er: Bachs Matthäuspassion mit den Gabrieli Players unter Paul McCreesh

VON ANDREAS VOGL

Während ich Jahr für Jahr zu Weihnachten feststelle, dass sich die Menschen mit ihrer eigenen Musik kollektiv in die nötige Stimmung bringen und ich immer in der Zeit von Mitte November hin zum Jahresende Weihnachtsmusik auf CD verkaufe, merke ich, dass sich das in der Passionszeit und zu Ostern anders verhält.

Musikalische Untermalung zur eigentlich höchsten kirchlichen Festzeit wird kaum mehr gefragt. Aber waren nicht bis vor kurzem die Bach’schen Passionen noch Allgemeingut? Sollten nicht sogar in der Volksmusik Passionen mehr verankert sein? Bis auf einige Kenner und Barock-Liebhaber, scheinen diese Werke kein großes Publikum mehr zu finden.

Für mich jedenfalls zählt die Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach zu einem „Muss“ auf der Playlist vor Ostern. Über Interpretationsansätze kann man mittlerweile streiten. Meine Lieblingsaufnahme, möchte ich Ihnen hier kurz vorstellen. 

Es handelt sich um die Einspielung unter Paul McCreesh mit den Gabrieli Players aus dem Jahr 2003. McCreesh’ Ansatz als Dirigent und Ensembleleiter geht auf die These des Bach Forschers Joshua Rifkin zurück, dass man Bachchöre solistisch besetzen muss: Ein schlanker, durchsichtiger Klang ist dem „symphonischen“ Bach vorzuziehen. Vielleicht bin ich so großer Fan dieser Aufnahme, weil ich nicht der „Generation Karl Richter“ entstamme und nicht mit dessen üppigem Klangbild aufgewachsen bin.

Wenn ich im Eingangschor Kommt ihr Töchter helft mir klagen oder gerade im Schlusschor Wir setzen uns mit Tränen nieder die einzelnen Stimmfärbungen der nur acht Solisten, die hier gleichermaßen als Chor fungieren, klar heraushöre, dann hat das was Kammermusikalisches und Kontemplatives. Im Wechselspiel mit den Arien wie Buß und Reu (Magdalena Kozená mit wundervoller Mezzostimme), Erbarm dich mein (Susan Bickleys verinnerlichender Altus) oder Komm süßes Kreuz (Peter Harvey mit schlichtem Bass) entsteht eine der Oper vergleichbare Intensität, die verstärkt wird durch die solistischen Einwürfe des Evangelisten (Mark Padmore mit zwar maniertem aber dramatischem Impetus). Wie eine private Meditation zur Fastenzeit.

Bach: Matthäuspassion. Gabrieli Players/Paul McCreesh. Deutsche Grammophon 2003/ARCHIV Produktion - 0289 474 2002 6 2 CDs - zu beziehen per Mail bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Bild: privat
Zum dpk-Porträt von Andreas Vogl
Einen Stream kann man nicht signieren

 

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