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Gejagt. Geträumt. Grandios.

FESTSPIELE / QUATUOR ÉBÈNE

22/08/18 „Ungarisches“ verwob lang vor einem Bela Bartók schon Joseph Haydn ins Finale seines „Quinten-Quartetts“, mit dem das Quatuor Ébène einen grandiosen – hoffentlich richtungsweisend für das Konzert-Programm künftiger Festspiele – seinen Abend im Großen Saal des Mozarteums eröffnete.

Von Horst Reischenböck

Das Quatuor Ébène und Joseph Haydns Streichquartett d-Moll op. 76/2 Hob. III:76 –„Quintenquartett“: eine packende Begegnung, an der das begeisterte Publikum Anteil nehmen durfte. Pierre Colombet und Gabriel Le Magadure, Violine, Raphaël Merlin, Cello, und - als Neuzugang im Ensemble und damit Salzburg-Debütantin - Marie Chilemme, Viola, gelang es vom ersten Einsatz an, dem den Kopfsatz charakterisierenden Intervall eine speziell fahle Färbung beizumischen. Das Werk eröffnet mit Dramatik: vom Primarius angefacht, bedrohlich vom Cello gesteigert und verstärkt durch die aufregenden Dynamikunterschiede innerhalb des kontrapunktischen Geflechts der Durchführung. Selten noch wurde diese Struktur so pointiert vor Ohren geführt!

Nach diesem kämpferischen Einstieg bot die Serenade nur einen kurzen Lichtblick. Denn alsbald jagten die vier Künstler einander paarweise kanonisch durch den kaum mehr „Menuett“ zu nennenden dritten Satz - ehe sie im Finale Haydns Humor grimmig demaskierten. Packend gestaltet! In zwei Jahren plant das Quatuor Ébène, sein dann 20jähriges Bestehen durch diezyklische Aufführung aller Streichquartette Ludwig van Beethovens feiern. Nach diesem Abend zu urteilen, wären die Festspiele schon jetzt gut beraten, sich eine Option darauf zu sichern!

Beethoven warf seinen „Fehdehandschuh“ erst in die Arena, nachdem sein Lehrer Haydn, mit dem er nicht so recht zufrieden war, Streichquartett-Schaffen beendet hatte.Ludwig van Beethoven Streichquartett Nr. 5 A-Dur op. 18/5: Satz für Satz erinnert an Haydns „Vorgaben“ mit der spürbaren Absicht Beethovens, diese zu übertreffen, sich vor dem Meister zu verbeugen und dennoch Eigenes einzubringen, wie etwa in den rhythmischen Querständen des Menuett-Trios oder im Andante. Pierre Colombet brachte die minimalistischen auf und absteigende sechs Töne – Material sogar für eine harsche Variation – verinnerlicht singend ins Spiel. Das Cello-Ostinato nahm Raphaël Merlin als delikaten Übergang in den mit Mozart wetteifernden Schluss.

Entließ dieser bewusst überraschende Piano-Schluss schon beglückt in die Pause, so steigerte das Quatuor Ébéne diesen Eindruck danach noch weiter mit Beethovens Streichquartett Nr. 9 C-Dur op. 59 Nr. 3 „Rasumowski”, dem Herzstück von Beethovens mittlerer Schaffensperiode. Gabriel Le Magadure am Pult der zweiten Geige bot dramatisch gespannte Linien, den Kontrast dazu Marie Chilemme, die ihre Bratsche träumen ließ. Von der bewusst weit vorausschauend die Grundtonart verschleiernden Introduzione an, die so intensiv dissonant betont fast verstörend war, loderte unentwegt das Feuer dieses Schlüsselwerks. Die Cello-Pizzikati im Andante warfen beinahe Gedanken an Bartók voraus. Das atemberaubend furiose Finale provozierte spontan jubelnden Aufschrei im Auditorium.

Was darauf als Zugabe folgen lassen? Die Gäste aus Frankreich tummeln sich auch abseits ihres Terrains auf sicherem Boden – das bewiesen zwei ebenfalls stürmisch bejubelte Jazz-Zugaben.

Bilder: Salzburger Festspiele / Marco Borrelli

 

 

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