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Echte Choral-Stimmen aus Rom

HINTERGRUND / GREGORIANISCHER CHORAL

25/10/16 Heute Dienstag (25.10.) gibt die Choralschola des Pontificio Istituto di Musica sacra unter der Leitung von Franz Karl Praßl ein Konzert in der Stiftskirche St. Peter.

Von Reinhard Kriechbaum

Der Österreicher Franz Karl Praßl, Professor für Gregorianischen Choral in Graz, ist seit 2011 auch Gastprofessor am Pontificio Istituto di Musica sacra, also der päpstlichen Musikhochschule in Rom. Dort studieren junge Kirchenmusiker aus aller Welt. „Am Ende der Studien in Rom sollen die Absolventen befähigt sein, in ihren Heimatdiözesen bzw. Ordensgemeinschaften Gregorianik in Theorie und Praxis zu unterrichten, sowie als Chorleiter in verschiedenen Aufgabengebieten mustergültige Choralscholen aufzubauen und künstlerisch zu begleiten“, erklärt Praßl. Also eine Art Kaderschmiede für jene Musik, die ja – ungeachtet des geringen Stellenwerts, den sie in den heutigen Gottesdiensten einnimmt – immer noch als die ureigene Art des Singens der katholischen Kirche gilt.

Wo kommt der Gregorianische Choral überhaupt her? Es ist ja nicht so, dass der Heilige Geist dem Papst Gregor Ende des 6. Jahrhunderts die Melodien ins Ohr geblasen hätte (so kann man das in mittelalterlichen Buchmalereien manchmal sehen). Der später „Gregorianische Choral“ genannte kirchliche Gesang ist in Wirklichkeit im 8. Jahrhundert im fränkischen Reich entstanden – eine genuine Kulturleistung, auf die letztlich bis heute unser Tonleitern-System, aber auch elementare Dinge im Verhältnis von Wort und Ton zurückgehen. Von der Gregorianik bis zum Pop lebt Musik ja davon, dass die Musik der Wortmelodie und dem Rhythmus nach Kräften zuarbeitet. Das ist im Gregorianischen Choral zum ersten Mal beispielhaft verwirklicht worden.

„Ich bin momentan mit der römischen Schola unterwegs“, erzählt Franz Karl Praßl. Zuerst bei einem Gregorianikfestival in Bratislava, dann bei einen Studientag in Klosterneuburg, heute Dienstag (25.10.) also in Salzburg. Zuvor hat man Konzerte in der steirischen Provinz gegeben, auch in St. Anna am Aigen,wo der Salzburger Erzbischof Franz Lackner geboren wurde. Wie das? Ein regionaler Verein dort will unter dem Motto „European Art 47“ bis 2010 Chöre, Musiker oder bildende Künstler aus allen 47 Staaten Europas mit lokalen Kulturschaffenden zusammen bringen. „Wir waren als Vertreter des Vatikanstaats dort, was insofern nicht falsch ist, als die Päpstliche Musikhochschule ja in der Trägerschaft des Vatikanstaats steht wie alle kirchliche Universitäten“, so Praßl.

Die Choralschola des Pontificio Istituto di Musica sacra (PIMS) wurde 1911, im Gründungsjahr der päpstlichen Musikhochschule, errichtet. Zu den bedeutendsten Dirigenten gehörte der Benediktiner Eugène Cardine, der Begründer der Gregorianischen Semiologie: Das ist die „Originalklangbewegung“ für den Gregorianischen Choral. Er wurde ja ursprünglich nicht mit viereckigen Noten auf vier Linien notiert, sondern (nach etwa anderthalb Jahrhunderten ausschließlich mündlicher Überlieferung) in Neumen. Diese graphischen Zeichen erinnern ein wenig an die Stenogrammschrift. Praßl und seine römischen Studentinnen und Studenten stehen für diese historisch korrekte, sich an der Neumen-Notation orientierende Art des Choralsingens.

Konzert der Choralschola des Pontificio Istituto di Musica sacra heute Dienstag (25.10.) um 19 Uhr in der Stiftskirche St. Peter.
Bilder: dpk /Archiv

 

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