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Silicon Valley an der Salzach

GLOSSE

Von Heidemarie Klabacher

09/12/20 Mozart-Kompetenz aus dem Silicon Valley. Computer-Kompetenz aus der Salzach Sadt. Soll es darauf hinauslaufen?

Es soll also der Rektor der Paris Lodron Universität Salzburg seines Amtes enthoben werden. Verfehlungen? Das ist eine Sache. Darüber sollen Räte, Senate und Juristen befinden. Eine ganz andere Sache sind drohende Zusammenlegungen, Schließungen, Einsparungen von Fächern und Instituten. Da drängt sich schon die Frage auf: Hat man den Flur-Bereiniger aus Deutschland nicht genau deswegen an die Salzach geholt? Einen, der aufräumt. Einen, der Schluss macht mit nicht sofort Gewinn bringenden Bereichen. Einen, der mit eisernem Digi-Besen kehrt in staubigen akademischen Stübchen, in denen Orchideen und ihre Fächer noch notdürftig gedeihen. Latein? Theologisch „grundierte“ Philosophie? Wozu der Bildungskrempel?

Die altehrwürdige Nicht-Technische-Universität Salzburg soll zeitgeistig IT-Kompetenz entfalten. Das sind wir uns wohl schuldig, wo doch sogar Linz eine Technische Universität bekommen wird. Eine Med-Uni gibt’s in der Straßenbahnstadt an der Donau auch schon... Fröhliches Geranggel der föderalen Kleingeister.

Ist eigentlich schon irgendjemand auf die Idee gekommen, auf die eigene Universitätsgeschichte zu schauen? Diese baut an der Salzach freilich nicht auf Eisen und Stahl oder auf bits & bytes. Es scheint tatsächlich nötig, daran zu erinnern: Seit dem Mönch von Salzburg macht Salzburg mit Musik von sich reden. Warum nicht noch kräftiger auf die Pauke hauen? Die musik-praktische Kompetenz hat, international anerkannt, die Universität Mozarteum. Fördern wir doch, was geht, die musik-wissenschaftliche Kompetenz an der Paris Lodron Universität. Warum nicht namhafte Lehrende aus aller Welt an die Salzach holen und auf Heinrich-Ignaz-Franz Biber-, Muffat oder Mozart-Lehrstühle setzen. Alleinstellungsmerkmal? Eine auf Jahrhunderten ungebrochener Tradition gewachsene Kompetenz in Sachen Musik.

Oder warum nicht mutig und trotzig die Altphilologie pushen, statt ihre letzten Reste zu zerstören? Die Wurzeln der heutigen Universität Salzburg liegen in der Benediktiner Universität. Da hat man nicht nur auf Latein unterrichtet und diskutiert und den Pedell sekkiert. Da hat man auch auf Latein Theater gespielt. Die Autoren, Stücke und Darsteller (der kleine Mozart hat auch für das Benediktinertheater komponiert) sind bekannt... Eh klar, lateinisches Schultheater hat's auch sonst wo gegeben. Aber warum nicht aus dem speziellen Salzburger Fundus Kapital schlagen? Zur Krönung der Aktivitäten der berühmten Salzburger Altphilologie wäre dann eine international besetzte Vorlesungs-Reihe in lateinischer Sprache anzubieten...

Warum herbeizwingen wollen, was wir nie haben werden, nämlich das Zeug zum Silikon Valley. Das haben fast überall alle, und am Ort gibt's ohnedies schon die Fachhochschule. Warum IT- oder KI-Forschung um jeden Preis aus historischem Boden stampfen? Warum nicht den historischen Boden düngen, beackern und fruchtbar machen. Wer will, kann dann immer noch – fächerübergreifend – Roboter auf Latein programmieren.

 

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