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Kleine Ungereimtheiten und tiefe Abgründe

KÜNSTLERHAUS / IRIS ANDRASCHEK

06/02/13 Rollenbilder und deren Stimmigkeit beschäftigen die als Fotografin, Zeichnerin gleichermaßen tätige Wiener Künstlerin Iris Andraschek. Wer definiert die Rollenbilder, wie ist das Verhältnis von Selbstbild oder Außensicht? Wer stellt Regeln auf, wer zieht Grenzen?

Von Reinhard Kriechbaum

Das bloßfüßige Mädchen hat seine nackten Beine auf den borstigen Rücken eines Ferkels gestellt. Eine bäuerliche Idylle wie aus alter Zeit, sieht man von den blau lackierten Zehennägeln ab. Wie wird die Kleine aussehen, wenn sie älter wird? So wie jene junge Frau, die auf einem rostigen Autowrack die Sonnenstrahlen genießt – auch so eine unverdorbene Unschuld vom Lande, wäre da nicht das Tatoo am rechten Oberarm.

In der Pampa von Niederösterreich und im angrenzenden Südtschechien hat Iris Andraschek Menschen, ihr Verhalten und ihr Umfeld beobachtet. Manches ist einfach so getroffen, als Schnappschuss. Manchmal hilft die Künstlerin aber auch dem Glück nach und stellt Szenen. Was ist „echt“, was ist Pose? Vor dem riesigen Raumteiler im großen Saal des Künstlerhauses, an dem die Fotografien montiert sind, kann man das im Einzelnen gar nicht immer genau entscheiden. Egal aber, ob "gestellt" oder dokumentiert: Scheinbar stimmige Motive enthalten immer irgendwelche Irritationen, die einen zum Grübeln bringen.

Bei der Beschäftigung von Randgruppen – und dazu gehören die tschechischen „Cowboys“ wohl ebenso wie der eine oder andere Eigenbrötler auf Momentaufnahmen aus dem Wald- oder Weinviertel – erfährt man viel über den Zustand der Gesellschaft und ihre Defizite, weiß Iris Andraschek. Im Internet hat sie Fotos von betrunkenen jungen Leuten entdeckt und die Reaktionen der Communities darauf genauer besehen. Bei Männern denken alle eher an G’spaß, aber bei Mädchenbilder „ist der Mausklick zur Pornoseite nicht weit“, so Iris Andrascheks Beobachtung. Ein paar solcher Bilder junger Frauen hat sie zu einem buchartigen Ding zusammengestellt, das an der Wand montiert ist. Man kann blättern und seine eigenen Gefühle angesichts dieser Fotografien (sie stammen aus dem Netz) austesten.

In ihrem Atelier hat Iris Andraschek Freundinnen gebeten, Körperbemalungen vorzunehmen, und sie dann fotografiert. Und in sensiblen Zeichnungen von Mädchen- und Frauenporträts kommt auch Text vor, Floskeln und Schlagwörter. Da geht es ebenfalls um Wünsche, Sehnsüchte, Selbsdefinitionen. Der Interpretationsspielraum ist groß.

Iris Andraschek, „Where to Draw the Line“. Bis 14. April im Salzburger Künstlerhaus – www.salzburger-kunstverein.at
Bilder: Salzburger Kunstverein

 

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