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Ich hab ein Konto, also bin ich

GALERIE IM TRAKLHAUS

04/03/11 Der eine taucht ins Aquarium und bleibt - bei gespannter werdenden Zügen - erstaunlich ruhig bis ihm die Luft ausgeht. Der andere hat sich - wenn auch nur im Modell - eine Einzelausstellung in der Tate Modern gegönnt. Sein aufgeblasenes Ich verliert mit der Luft deutlich an Spannung.

Von Heidemarie Klabacher

altaltDie Selbstporträts der „Nächsten Generation“ haben einen deutlichen Hang zur Selbstironie. Bernd Oppl hat sein Konterfei auf einen Ballon gemalt, der im Modell der berühmten Londoner Galerie nun auf und abschwillt. „Ich bin kein Fisch“ nennt Roland Wegerer seine Videoarbeit nach vier Tauchgängen im Aquarium. Die Video-Präsentation ist zudem um 180 Grad gedreht - jetzt schaut es zu aller Absurdität auch noch aus, als wäre das Wasser oben.

Die dritte Ausstellung in der Reihe „Die nächste Generation“ in der Galerie im Traklhaus ist eine Koproduktion mit dem Wiener Kunstverein „das weiße haus“ gilt dem Thema „Selbstporträt“. Vierzehn junge Künstlerinnen und Künstler stellen sich vor.

Drei von ihnen sind aus Salzburg gebürtig: Judith Pichlmüller (Jahrgang 1978) schleppt auf ihrer frühen Videoarbeit einen Fernseher hinter sich über die grüne Wiese. Rudolf Strobl (Jahrgang 1983alt) hat einen alten Notizzettel-Verkehr mit seiner Mutter abfotografiert und Kay Walkowiak (Jahrgang 1980) hat unter einen altmodischen Resopaltisch eine kleine Schaukel installiert - Matalterial und Schaukel erzählen eindringlich von Vergangenem.

Corinne L. Rusch hat sich effektvoll in einem Schweizer Hotelzimmer inszeniert: Der beeindruckende Berg draußen vor dem Fenster sei nicht in das Foto hineinmontiert worden sondern echt, betont die Kuratorin Elsy Lahner vom Kunstverein „das weiße haus“, ebenfalls eine gebürtige Salzburgerin.

Auffallend jene Selbstdarstellungen, in denen sich die Künstlerinnen und Künstler im weitesten Sinne über den Konsum dazustellen scheinen: Jochen Höller hat feinsäuberlich die Barcodes von Produkten, die er innerhalb eines Monats gekauft hat, hinter Glas arrangiert. Er hat weiters in einem „Soziogramm“ alle Menschen, mit denen er innerhalb des letzten Jahres zu tun hatte, im Kreis um sich herum arrangiert. Je nach Nähe und Bedeutung. Auch sie selber komme vor, so die Kuratorin Elsy Lahner - in diesem Jahr schon näher am Zentrum (das freilich leer ist), als noch im Vorjahr.

altJaltulian Palacz erzählt von der oft prekären wirtschaftlichen Situation von Künstlern: Er hat aus den Bewegungen auf seinem Konto - meist tief unter Null - eine effektvolle Graphik erstellt. Weiters hat er alle Tastenbewegungen auf seiner Tastatur dokumentiert und in einem Buch festgehalten: Der wohl naheliegendste und zugleich ungewöhnlichste Blick eines Künstlers auf sich selbst.

Weniger apart und aussagekräftig: der Staubsaugerbeutel-Inhalt von Juli Galsbo. Sehr persönlich dagegen der Handtaschen-Inhalt von Maria Anwander. Ziemlich selbstironisch: Aldo Giannotti bei seiner Jesus-Werdung mit dem Riesenrad als Heiligenschein.

Arbeiten von Maria Anwander, Julie Kierkegaard Galsbo, Aldo Giannotti, Alexander Glandien, Jochen Höller, Anja Manfredi, Bernd Oppl, Julian Palacz, Judith Pichlmüller, Franz Riedl, Corinne L. Rusch, Rudolf Strobl, Kay Walkowiak, Roland Wegerer - bis 16. April.
Bilder: dpk-klaba


 

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