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Flucht von der Insel der Seligen

LANDESTHEATER / KAMMERSPIELE / AUSWANDERTAG

15/05/15 Mit der Bürgerbühne bietet das Salzburger Landestheater spiel- und denkfreudigen Laien die Möglichkeit, gemeinsam mit Profis Theater zu machen. Das neueste Projekt „Auswandertag“, bei dem gleich 15 der Hobbymimen auf der Bühne der Kammerspiele stehen, hatte am 13. Mai Premiere.

Von Christoph Pichler

Es ist ein merkwürdiges Gedankenexperiment, das die Salzburger „Experten des Alltags“ angeleitet von Regisseur Claus Tröger und angelehnt am titelgebenden Roman von Klaus Oppitz und der Tafelrunde durchspielen. In einer angeblich nicht allzu fernen Zukunft hat der Populist Michael Hichel Österreich in die gerne nur auf Leserbriefseiten heraufbeschworene Trutzburg verwandelt. Das Land ist aus der EU ausgetreten, es wird wieder mit Schilling statt Euro bezahlt. Zudem hat man die Ausländer endlich des Landes verwiesen und macht nun dezidiert österreicherfreundliche Politik. Doch in der dritten Amtszeit des immer diktatorischer agierenden Bundeskanzlers steht vielen Bewohnern der Insel der Seligen das Wasser bereits bis zum Hals.

So auch der vierköpfigen Familie Putschek, deren langsamen Niedergang wir in schnellen Szenenfolgen mitverfolgen dürfen. Ohne Arbeit, zudem als Leichenfledderer gebrandmarkt und aller halbwegs attraktiven Selbstmordmöglichkeiten beraubt, fliehen Chiara, Fabian und ihre beiden Kinder Max und Valentina Richtung Türkei, bevor sie aus der längst strom- und gaslosen Österreicher-Wohnung fliegen. Doch auf dem Weg ins gelobte Land erwarten die Familie nur neue Demütigungen und Schicksalsschläge. So scheint ein Happyend in immer weitere Ferne zu rücken.

Nachdem sie schon bei der Ausarbeitung des Stückes assistiert hatten, schlüpfen die Laien der Bürgerbühne beim „Auswandertag“ in die unterschiedlichsten Rollen. Auf drei Sesselreihen im Bühnenhintergrund platziert, warten sie geduldig auf ihre Kurzeinsätze, die vom gemeinsamen Chorgesang über mimische und akustische Gags bis zu skandierenden Massenaufläufen reichen. Mit ihren meist komischen, aber auch oft schlichtweg skurrilen Auftritten als Fluchthelfer, Beamte oder sonstige zwielichtige Gestalten begleiten sie den Niedergang der Familie Putschek.

Walter Sachers gibt als Vater Fabian den Verlierertypen, der sich lieber an ein altes ÖVP-Plakat klammert, als die unangenehme Realität zu akzeptieren. Britta Bayer bringt in der Rolle seiner Gattin Chiara einmal mehr ihre scharfe Zunge perfekt zum Einsatz. Als ihre Kinder glänzen Mozarteum-Student Ludwig Hohl und Anne Aichriedler mit Talent und frischem Spiel.

Mit viel Freude, Engagement und guten Ideen inszeniert, krankt das Stück ein wenig an seinem Ausgangsszenario, das bei allen Anspielungen auf aktuelle Entwicklungen doch (noch?) allzu unrealistisch scheint. So überzeugt die Aufführung weniger als Gedankenexperiment oder Familientragödie als vielmehr durch die sympathische Präsentation mit ihren überraschenden Auftritten. Für 70 Minuten gute Unterhaltung reicht das aber allemal.

Weitere Aufführungen heute Freitag (15.5.) und am 22. Mai in den Kammerspielen – www.salzburger-landestheater.at
Bilder: Anna-Maria Löffelberger

 

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