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L'amourrr...

ARGEkultur / MOTZART / QUAST, FISCHMANN

05/02/17 „Die Sonne knallt vom andalusischen Himmel. Eine Hitze, die so heiß ist, wie sie nur im Süden Spaniens heiß sein kann.“ Die wenigsten Musikfreunde werden sich jemals den Kopf zerbrochen haben über die klimatischen Verhältnisse, die „Carmen“ überhaupt erst möglich machen.

Von Reinhard Kriechbaum

Aber genau dafür gibt es eben Sabine Fischmann und Michael Quast. Seit sie – das ist schon wieder über zehn Jahre her! – beim MotzArt Kabarettfestival den „Don Giovanni à trois“ vorgestellt haben, wissen wir, dass Opernführer ihres Zuschnitts entscheidenden Mehrwert zu bieten haben. Das war am Freitag (3.2.) mit „Carmen“ nicht anders.

Brütende Hitze also, in der man besser Siesta hielte. Da hinein platzen Sabine Fischmann und Michael Quast, mit Tamburin und Kastagnetten, aber auch mit Kazoos und einer Melodica. Das Opern-Traumpaar schlechthin. Ein ältliches Muttersöhnchen im kurzärmeligen beigen Pullover, wie ihn einst Loriot in „Ödipussi“ mit ähnlichem Sex Appeal getragen hat, erliegt einer jungen Dame, der man zutrauen würde, dass sie in Sevillas Zigarettenfabrik als Chefbuchhalterin über die Ordnung des Schriftverkehrs wacht. A propos Zigarettenfabrik: Im Chor der Arbeiterinnen im ersten Akt reimt sich „Rauchen kann tödlich sein“ sinnigerweise auf „Raucherbein“, aber „süßer Rauch“ so ganz und gar nicht auf Lungenkrebs. Vielleicht sollte man in Zukunft auf jedes „Carmen“-Programmheft drucken: Achtung, der Umgang mit dieser Oper kann ihre Gesundheit gefährden!

Es ist auch sonst nicht alles ganz koscher in Spanien: Lillas Pastia, der Betreiber der Schmuggler-Kneipe im zweiten Akt, redet in einem „unverständlichen andalusischen Dialekt“. Er ist, wie wir quasi nebenbei erfahren, „der lebende Beweis, dass die Fördermittel zur Strukturverbesserung in der ländlichen Umgebung von Sevilla ihr Ziel nie erreicht haben“. Michael Quast hat vielleicht übersehen: Als Bizet die „Carmen“ schrieb, war die EU erst in Vorbereitung.

Escamillos Torero-Lied wurde an dem Abend nicht gesungen, dafür lieferte Quast eine Beschreibung eines Stierkampfs, die selbst hartgesottenen Vertretern blühender Folklore rasch klar gemacht hat, dass man die nächste Petition der Tierschützer ohne Zaudern unterschreiben sollte. Sabine Fischmann schlüpfte in dieser Szene kurz mal in die Rolle des Stiers. So wild, dass der Pianist Rhodri Britton mit Vehemenz vom Klavierstockerl geflogen ist. Ja, hinter der dickrandigen Brille dieser Carmen mit Stierblut lauert ein beängstigendes Temperament. Die Habanera wird man nicht so bald aus dem Oh kriegen, Sie wissen schon: L'amourrr...

Das 35. MotzArt Kabarettfestival ist am Samstag (4.2.) mit einem Auftritt von Blözinger zu Ende gegangen. Die nächsten Kabarettabende in der ARGEkultur: www.argekultur.at
Bilder: ARGEkultur / Wolfgang Runkel

 

 

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