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Eine Musikkasette – wie das?

HINTERGRUND / ROCKHOUSE / XTRA ORDINARY

20/01/20 Es war eine lange Zeitspanne der Kontinuität: 22 Jahre lang gab's Jahr für Jahr eine Silberscheibe, auf der die heimische Pop-Szene das jeweils Aktuellste vorstellen durfte. Viele, viele dieser Xtra Ordinary-CDs sind an Agenten und Konzertveranstalter weitergereicht worden und haben jungen Musikerinnen und Musikern Türen in die professionelle Musikwelt geöffnet.

Von Reinhard Kriechbaum

Dass eine CD im beginnenden zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts nicht mehr State of the Art ist, leuchtet ein. Rockhouse-Chef Wolfgang Descho: „Nicht nur hat sich das Konzept des Streamings gegenüber der Silberscheibe längst erfolgreich an die Spitze der Absatzmärkte gesetzt. Immer öfter erreicht uns auch die Rückmeldung, dass der Endnutzer schlichtweg keinen CD-Player mehr besitzt.“

Eine 23. CD XtraOrdinary wird es also nicht mehr geben. „Wir haben uns entschlossen die 23. Ausgabe des Xtra Ordinary Samplers auf Kompakt-Kassette zu veröffentlichen.“ Echt wahr – eine Musikkassette, so ein Ding bei dem es spätestens nach dem zehnten Mal Umdrehen einen Bandsalat gab? „Ja genau, eine Kassette“, entkräftigt Wolfgang Descho den Verdacht, dass man sich verhört habe.

„Bei aller Benutzerfreundlichkeit des Streamings und der Downloads, es fehlt ihnen die Haptik, das Analoge, das Endprodukt das man in den Händen halten kann.“ Wir älteren Semester können das gut nachfühlen: Wir sind noch vor dem Radio gesessen, den Finger druckbereit auf dem Kassettenrecorder, um nur ja zeitgerecht zu drücken, wenn der erhoffte Song drankam. „Für die jüngeren Semester bringt es einen Kultfaktor mit sich“, weiß Wolfgang Descho. „Neu gegründete, junge Kassetten-Labels und viele aktuelle Tape-Veröffentlichungen zeigen, dass noch Leben im Mini-Tonband steckt.“

„Für das stilechte Hörerlebnis empfehlen wir einen netten Sonntagsausflug zum Flohmarkt“, sagt Wolfgang Descho schalkhaft. „Die Xtra Ordinary ist wie ein selbst aufgenommenes Mixtape mit allen Lieblingssongs von Salzburger Bands. Dafür würden wir sogar den Keller aufräumen, um einen alten Kassettenrecorder zu finden“, versicherte ein Vertreter der Agentur Salic dieser Tage in einem Pressegespräch. Zu spät. Den letzten Kassettenplayer hat der Schreiber dieser Zeilen vor geschätzt fünfzehn Jahren von seinem tristen Dasein in einem Kellerkasten erlöst und ans Sonnenlicht zwar, aber in Richtung Elektroschrott befördert. Doch im Rockhouse hat man Trost bereit: „Dem Xtra Ordinary-Release liegt natürlich ein Download Code bei, damit man die Songs immer und überall hören kann.“

Die Agentur Salic und T.A.P.E. Muzik haben Xtra Ordinary Volume 23, dieses nostalgische Ding aus orangefarbenem Plastik, designt und technisch betreut. Seit 2004 fertige T.A.P.E. Muzik in Leipzig Audiokassetten und Zubehör in kleinen und großen Stückzahlen an, heißt es. „Unser Antrieb ist vor allem die Liebe zur Musik und zum Medium. Wir möchten vor allem junge und kleine Labels und Bands unterstützen, die sich über die Kassette mitteilen möchten. Mit der Renaissance der Kassette, die um 2016 herum begann, steigen auch bei uns das Bestellaufkommen und die Auflagen.“ Wer hätte das vor wenigen Jahren noch erwartet?

Bisher waren es vor allem die jungen Musikerinnen und Musiker der POP-Szene, die mit Aufmerksamkeit rechneten, wenn sie es mit einem Song auf den Xtra Ordinary-Sampler brachten. Vielleicht fällt diesmal ein guter Teil der PR-Aufmerksamkeit auf den Produzenten der Musikkassette ab?

Xtra Ordinary Vol. 23 enthält 26 Nummern von eben so vielen Künstlerinnen und Künstlern aus verschiedensten Stilrichtungen von Alternative Rock über Indie Pop, Reggae und HipHop bis Folk. Eine 16-köpfige Jury stimmte über die vielen, vielen Einreichungen ab. Nichts geändert hat sich daran, dass Xtra Ordinary Chefsache ist. Für den in Kleinauflage veröffentlichten Sampler wachte wieder Wolfgang Descho selbst über Projektkoordination und Produktion.

Die Kassette ist im Rockhouse Service Center, im Onlineshop unter www.rockhouse.at und an der Abendkassa um 10 Euro (8 Euro für Rockhouse Members) erhältlich. Auf den Streaming Release auf den gängigsten Plattformen muss man noch ein klein wenig warten, bis 31. Jänner.
Tracklist Xtra Ordinary Vol. 23
Seite A
01
Mynth – Casablanca

02 Ro Bergman – Horizon
03 Please Madame – Rome
04 Moby Stick – Let Us Start
05 Gospel Dating Service – Like Wolves feat. Aunty
06 Shamamas – Yellow
07 The Magic Voodoo Club – Own You
08 Good Wilson – Walk The Talk
09 Yakata – Gin Chronic
10 Dandelion – Tic Tac Toe
11 Julian Nantes – Now
12 Noyoco – Over Night
13 Coperniquo – Best Of Me
Seite B
01 Amy Wald – F.A.L.S.
02 Mace – Scherben
03 Magic Delphin – Dosenbier
04 Waste Of Ink – Wasser
05 Glue Crew – I Brenn
06 Neon Neet – Loop You
07 Low Light Slips – Through A Pocket
08 Karl Kayzer – Waste Of Time
09 The Sellout – Electrical
10 The Dream Catchers – It’s Only A Lovesong
11 The Velvet Swing – Faith Is Your Enemy
12 Manchester Snow – Milk & Honey
13 Amelie Tobien – Rivers
Bilder: Rockhouse (2); dpk-krie (1)

 

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