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Beschwertes Familienleben

LITERATURHAUS / KLEMENS RENOLDNER

07/12/11 Am Dienstag (6.12.) war Klemens Renoldner, der Leiter des Zweig Centre, Gast der „Leselampe“ im Literaturhaus – allerdings nicht im Dienste Zweigs, sondern als Autor des Romans „Lilys Ungeduld“, der im Folio Verlag erschienen ist.

Von Werner Thuswaldner

Klemens Renoldner spielt im literarischen Leben Salzburgs ja nicht nur als Anwalt Stefan Zweigs, sondern auch als Autor eine Rolle. In den siebziger Jahren hat er an der „Leselampe“ mitgearbeitet, bevor er über Christa Wolf dissertierte und dann als Dramaturg am Burgtheater, in Zürich, Bern und bei den Wiener Festwochen tätig war. Einige andere Funktionen, etwa Theaterleiter in Freiburg, kamen hinzu.

In seinem ersten Roman schreibt er über eine Familie, die diese Bezeichnung kaum verdient. Denn die Mutter ist tot, die jüngere Tochter, Lily, hat sich 24jährig umgebracht, der Vater, der sich freiwillig von der Umwelt abgeschnitten hat, lebt im Engadin, die zweite Tochter ohne Verbindung zu ihm als Ärztin in Berlin. Der Tod Lilys, ein Trauma, scheint den Vater zu lähmen. Die erste Reaktion ist Sprachverlust. Trostangebote, wie sie etwa die Kirche bereithält, erweisen sich als untauglich. Im Vergleich zur stabat mater fühlt er sich als stabat pater.

Das ist aber nicht die ganze Wahrheit. Denn der Vater, alles andere als frei von Egoismus, unternimmt sehr wohl Anläufe, ins Leben zurückzukehren, und der Wunsch nach Unbeschwertheit ist in ihm lebendig. Er hat ein Werk nicht nur als Architekt, sondern auch als Maler geschaffen. Aber es begleitet ihn das Bewusstsein, in seiner Vater-Rolle versagt zu haben. Dies wird offensichtlich, als er seine Isolation aufgeben  und nach zwölfjährigem Schweigen mit seiner Tochter Veronika wieder ins Gespräch kommen möchte. Veronika reist aus Berlin an. Doch die Begegnung wird zum Fiasko.

Renoldner stellte sich als sensibler, nachdenklicher Autor vor, der in aller Deutlichkeit alle Hindernisse sieht, die einer einfachen Lösung entgegenstehen. Er fragt sich beispielsweise, wie weit die Sprache dazu taugt, Erinnerung wachzuhalten oder gar ein Leben – Lilys Leben – zu rekonstruieren.

Im Gespräch mit Moderator Manfred Mittermayer wurden noch etliche andere Aspekte angesprochen, etwa die motivische Ähnlichkeit zwischen dem von Renoldner geschilderten Vater und Stifters Hagestolz, der die Einsamkeit gesucht hat und zutiefst unglücklich ist mit seiner Existenz.

Klemens Renoldner, Lilys Ungeduld. Roman. 271 Seiten, Folio Verlag, Wien 2011, € 21,70
Bild: www.folioverlag.com / Stefanie Katzmayr

 

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