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Silent Books

STICH-WORT

29/03/16 Dem Vernnehmen nach geht es darum, dass die Zielgruppe einwandfreies Deutsch lernen soll. Wahrscheinlich genau deshalb heiß die im Grunde lobenswerte Aktion des Landes „Silent Books“.

Von Reinhard Kriechbaum

Früher einmal hat man von Bilderbüchern gesprochen. Die Armenbibel war ein klassisches Beispiel solcher „Analphabetenliteratur“: Die Zeichnungen sprachen für sich, es brauchte keine Worte. Der letzte Überlebende solcher vollkommen wortloser Massenmedien (Comics bedienen sich im Gegensatz dazu oft markiger Sprüche wie “Krrr“ oder „Wummm“) ist der in Graz aufgelegte „Mandlkalender“, von dem Jahr für Jahr stolze 260.000 Exemplare verkauft werden. Nur ausgewiesene Kulturpessimisten argwöhnen, dass seine Beliebheit in Mängeln unseres Schulsystems gründet.

Doch zurück zu den im Neusprech so bezeichneten „Silent Books“. Das Land Salzburg hat allen öffentlichen Büchereien ein Integrations-Bücherpaket zur Verfügung gestellt. Die Bücher kommen ohne Worte aus und „taugen also dazu, spielerisch-kontextuell verstanden zu werden“. Die Bücher werden von vielen freiwilligen Sprachlehrerinnen und -lehrern eingesetzt und können in allen Gemeinde-Bibliotheken ausgeliehen werden. Sie sind verständlich für Menschen aller Nationen, Herkunft und Altersstufen.

„Mit diesen Büchern können Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene, die zu uns geflüchtet sind, mit der Kraft der Illustration in unsere Sprache eintauchen“, heißt es in einer Meldung der Salzburger Landeskorrespondenz.

Wahrscheinlich heißen die Behelfe für diesen Sprach-Tauchgang „Silent Books“. Flüchtlinge aus anderen Kulturkreisen, die – wie ihnen immer wieder eingebläut wird – unsere Leitkultur so schnell und so gut wie möglich kennen lernen sollen, bekommen da also „spielerisch-kontextuell“ mit: Gerade mit der eigenen Sprache nehmen wir es in Wirklichkeit eh nicht so genau.

Fast trotzig klingt das von der Landeskorrespondenz verbreitete Statement der zuständigen Landesrätin Martina Berthold, die „auf Integrations-Maßnahmen vom ersten Tag an“ setze: „Das Erlernen der deutschen Sprache ist die Voraussetzung für eine gelingende Integration von Menschen, die zu uns geflüchtet sind. Kreative Lösungen wie die Silent Books helfen dabei kräftig mit.“

Angebote wie „Silent Books“ sollen also laut Zielvorgabe „einen schnellen Zugang zur deutschen Sprache und zum Alltag in Österreich“ ermöglichen. Da dieser ohnedies mit „Denglisch“ gespickt ist, dürfte der Weg sogar in die richtige Richtung führen.

Bild: LMZ/Neumayr/Leo

 

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