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Gemeinsam schaffen sie’s

KOMMENTAR

altVon Reinhard Kriechbaum

02/12/10 So manche Menschen, die in der Schule alle Buchstaben gelernt haben und (hoffentlich) perfekt lesen und schreiben können, fühlen sich zum Literaten berufen. Sie bekommen sachkundige Hilfe: Das zweite Mal bietet das Land ein „Literatur-Tutorium“ an. Ein literarisches Projekt, das einer Jury vielversprechend erscheint, wird „von den Anfängen bis zur Fertigstellung betreut“, wie es so schön in der Ausschreibung heißt. Von zwei einschlägig erfahrenen Menschen, einem Lektor und einer Autorin.

Für den Preisträger oder die Preisträgerin ist das eine tolle Chance. Zu dritt sollten sie es doch schaffen, Autor(in), Lektor und Schreib-Kollegin!

Die Idee wurde im Fachbeirat für Literaturvermittlung des Landeskulturbeirats geboren und 2009 erstmals umgesetzt. – Bei aller Wohlmeinung zur Schriftsteller-Förderung: Besteht unmittelbar Mangel an Autoren? Liegt es nicht in der Natur der Sache, dass sich aus einer kleinen Armee von Leuten, die gerne der Schriftstellerei frön(t)en, in einem Ausleseprozess jene herauskristallisieren, bei denen Schreib-Fähigkeit und Mitteilungsbedürfnis in Einklang stehen, die ihre hoffentlich spannenden Geschichten auch in entsprechende Form zu kleiden wissen und den rechten Stil dafür finden?

Und das wäre ja bloß der erste Schritt zum Schriftsteller-Sein. Der zweite ist, andere von der eigenen Botschaft zu überzeugen, also: selbst so viel Überzeugungskraft aufzubringen (und an die eigene Sache so felsenfest zu glauben), dass auch andere – Verleger zum Beispiel, und letztlich das Lese-Publikum – von der Botschaft infiziert, vom Manuskript und dann vom gedruckten Buch mitgerissen werden.

Das ist ein wichtiger Selektionsprozess, der das Publikum auch schützt vor allzusehr ins Kraut schießender künstlerischer Selbstverwirklichung. Ein bisserl boshaft formuliert: ein Schutz-Mechanismus, der zu stark von sich eingenommene Schreiber vor öffentlicher Blamage rettet und die Leserinnen und Leser vor banaler Buchstaben-Überschwemmung. (Zugegeben: Die Schriftsteller haben es schwerer als Kollegen. Es gibt Kompositions-Lehrer, akademische Malerei- und Bildhauerklassen, aber eben keine Dicht-Professoren.)

Ist es Aufgabe der Kulturpolitik, in den natürlichen Prozess der Auslese einzugreifen, aus halben Künstlern Dreiviertel-Künstler zu machen? Vielleicht sollte man Steuergeld doch besser investieren – in Zeiten, in denen ein beängstigend hoher Prozentsatz junger Leute die Schule verlässt, ohne wirklich des Lesens und Schreibens kundig zu sein.

Zur Meldung über das Literatur-Tutorium 2011


 

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