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Immer in der ersten Reihe

SALZBURG MUSEUM / ROBERT JUNGK

28/02/13 1972 war es, Robert Jungk war erst seit zwei Jahren in Salzburg ansässig. Da hat er von einem hiesigen Polizisten ordentlich eine über die Rübe bekommen. So, dass Jungk damit am Abend dieses ereignisreichen Tages in der „Zeit-im-Bild“ gelandet ist.

Von Reinhard Kriechbaum

Der Anlass: eine Demonstration gegen den amerikanischen Präsidenten Richard Nixon und den Vietnam-Krieg. Robert Jungk war, wie immer, in der allerersten Reihe. Er hat Protest nie aus den hinteren Reihen organisiert, sondern war stets der Frontmann. Das war so, als er sich für die Friedensbewegung einsetzte und noch viel mehr, als er zu einem der Vordenker und zum voranpreschenden Protest-Bewegten gegen die Atomkraft wurde. Sei‘s nun gegen die Bombe oder gegen das scheinbar segenbringende AKW. In den fünfziger Jahren, als Walt Disney den Fernsehspot "Dein Freund, das Atom" produzierte, war Jungk mit Büchern wie "Griff nach dem Atom" schon auf anderer Denkschiene unterwegs.

„Zivilcourage“ müsste die Ausstellung zum 100. Geburtstag im Salzburg Museum eigentlich heißen. „Weltbürger und Salzburger“ hat man sie übertitelt. Das muss wohl so sein, um eine lokale Einfärbung einzubringen, vor der man den Wirtschafts-Philosophen eigentlich in Schutz nehmen müsste. Mit provinziellen Farbklecksen dürfte man ihn nicht beflecken. A propos: Ein Jahr vor der oben erwähnten Demonstration, die mit körperlicher Gewalt auch gegen Robert Jungk endete, hat er noch durchaus große Stücke auf seinen neuen Wohnort gehalten. In einem Zeitungsartikel lobte er Salzburg als „Zentrum der Kultur und geistigen Auseinandersetzung“, hier hoffte er eine „Freizone der Fantasie“ vorzufinden. Mit dem nötigen zeitlichen Abstand darf man also sagen: Was Jungks Einschätzungskraft anging, lag er mit der Atomenergie entschieden richtiger als mit Salzburg.

Doch bloß nicht ätzen, immerhin ist Robert Jungk (1913-1994) spät, aber doch Ehrenbürger der Stadt geworden. Gleich neun Jahre nach dem Operettenkomponisten Nico Dostal. Das Land vergibt ihm zu Ehren einen Landespreis für Zukunftsforschung, der erste Preisträger 1993 war natürlich er selbst.

Die Ausstellung ist, wie nicht anders zu erwarten, eine Lese-Ausstellung. Für einen Vor- und Gegen-Denker wie Jungk muss man sich schon Zeit nehmen. Drum sind auch ein paar Sitzgelegenheiten aufgestellt und man kann in Büchern von Jungk schmökern. Schau-Stücke gibt es nicht so viele. Josef Zenzmayer hat ihn in Bronze gegossen. In eine alte Schreibmaschine ist die erste Manuskriptseite des posthum veröffentlichten "Sonnebuchs" eingespannt. Jungk würde sich wohl freuen, wenn er sähe, wie viele Solar-Paneele auf Dächern heutzutage schon montiert werden.

Das Dagegensein war für Jungk nicht Prinzip, sondern bittere Lebenserfahrung. In der Hitler-Zeit ist er, nachdem er sich schon damals als Kriegsgegner geoutet hatte, erst ins Exil gegangen, dann wieder (als U-Boot und im Untergrund tätiger Reporter) nach Berlin zurückgekehrt und schließlich gerade rechtzeitig in die Schweiz gegangen. Schon das ist eigentlich ein Krimi. Von Jugend auf hat er also kritischen Geist entwickelt. Man hat Robert Jungk wohl nichts vormachen können. Seine Zukunfts-Perspektiven nachzulesen, regt die Schau an.

Robert Jungk, Weltbürger und Salzburger. Bis 2. Juni im Salzburg Museum – www.salzburgmuseum.at
Lesestoff zur Ausstellung: Hans Holzinger: Sonne statt Atom. Rubert Jungk und die Debatten über die Zukunft derb Energieversorgung seit den 1950er Jahren bis heute, herausgegeben von der der Robert Jungk Bilbliothek für Zukunftsfragen – www.jungk-bibliothek.at
Bilder: dpk-krie

 

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