asdf
 

Verzweifelte Opernheldinnen

CD-KRITIK / MOZARTEUMORCHESTER, SANDRINE PIAU

01/07/15 Erst vor gut einem Monat tourte das Mozarteumorchester durch Asien, mit Sandrine Piau als Gesangssolistin, in der Tokyo Bunka Kaikan Hall in Japan. Im November 2013 hatte die Französin unter Ivor Bolton im Großen Saal des Mozarteums eine ausnahmslos Wolfgang Amadé Mozart gewidmete CD aufgenommen.

Von Horst Reischenböck

lhre zweite Arien-Kompilation, betitelt „desperate heroines“, differenziert abwechslungsreich die gestalterische Bandbreite von Mozarts weiblichen Charakteren und deren unterschiedliche Schicksale auf der Bühne – bis zum männlichen Aminta mit Konzertmeister Frank Stadlers hingebungsvoll anschmiegendem Geigensolo als Schluss.

Nur zu Beginn horcht man verdutzt auf, denn die zart interpretierte Barbarina ist leider nach kaum anderthalb Minuten schon vorbei. Ihr Gegenstück Susanna folgt erst später als zentrale Mitte, garniert mit leicht improvisierter Koloratur. Entsprechend dramatisch bewegt gebärdet sich zuvor die Donna Anna, gleich zweimal wird nervig Sandrina zitiert. Auch Aspasia, Ilia und Giunia ruft Sandrine Piau nachdenklich, berührend, dann wieder nervig vibrierend ins Gedächtnis. Jede als Kabinettstück feinfühlig gestaltet und gleichen Sinnes exzellent, engagiert, speziell von den Holzbläsern, begleitet. Schade, dass der Genuss nach nicht einmal 42 Minuten inklusive Zwischenpausen vorbei ist …

Sandrine Piau ist übrigens auch Barockspezialistin. Und in Sachen Mozart ist sie auch mit einem Originalklangorchester auf dem CD-Markt vertreten: als Solistin im Requiem KV 626 in einer fantastischen Aufnahme zusammen mit accentus und dem insula orchestra von Laurence Equilbey. Letztere war heuer bei der Mozartwoche in Salzburg zu Gast.

„desperate heroines“: Arien von Wolfgang Amadé Mozart aus „Mitridate“ KV 87, „Lucio Silla“ KV 135, „La finta giardiniera“ KV 196, „Idomeneo, Rè di Creta“ KV 366, „Le Nozze di Figaro“ KV492 und „Don Giovanni“ KV 527. Sandrine Piau (Sopran), Mozarteumorchester, Ltg. Ivor Bolton. naïve CD V 5366

 

DrehPunktKultur - Die Salzburger Kulturzeitung im Internet ©2014