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Frida, Lola und Carvaggio

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15/01/10 Biographien boomen - nicht nur auf dem Buchmarkt, sondern auch im Spielfilm: Ray Charles, Johnny Cash, Bob Dylan, Frida Kahlo oder Romy Schneider galten einige der „Biopics“ der letzten Jahre. Manfred Mittermayer hat sie analysiert - erhellend und brillant.

Von Michael Russ

Das älteste Beispiel für Experimentelles im biographischen Film war „Lola Montès“ (1955) von Max Ophüls. Dabei wurde das Leben als Zirkusshow dargestellt, mit einem Moderator, der die einzelnen Lebensabschnitte kommentiert.

Experimentelles aus dem biographischen Spielfilm hat Manfred Mittermayer, der am Ludwig-Boltzmann-Institut für Geschichte und Theorie der Biographie den Programm-Schwerpunkt „Biographie im Film“, beim Literaturfrühstück am Donnerstag (14.1.) vorgestellt.

In „Der junge Freud“ (1976, Buch: Georg Stefan Troller, Regie: Axel Corti) kommentiert Siegmund Freud (Karl-Heinz Hackl) sein Leben selbst. Eine Stimme aus dem Off befragt ihn zu einzelnen, im Film dargestellten Szenen seines Lebens. Um die Stimmung Ende 19./Anfang 20. Jahrhundert besser zu treffen, wurde der Film in schwarz-weiß gedreht…

Ausgewählt hat der Film- und Literaturwissenschaftler also Streifen, in denen wohl experimentelle Darstellungsmittel zur Anwendung kamen, aber dennoch ein breites Publikum erreicht haben, wie etwa „Frida“, und nicht nur um reine Experimentalfilme für Freaks.

Um gleich bei „Frida“ (2002) zu bleiben: Hier hat Regisseurin Julie Taymor etwa Frida Kahlos surrealistische Techniken für manche Filmszenen – z. B. Besuch in den USA, im „Gringoland“. Oder sie hat auch Selbstporträts der Malerin durch Überblendungen „lebendig“ werden lassen. Das Einarbeiten von Gemälden in unterschiedlicher Form praktizierten auch Derek Jarman in „Caravaggio“ (1986) und John Maybury in „Love is the devil: Study for a portrait of Francis Bacon“ (1998).

Manfred Mittermayer hatte wie immer viel Interessantes zu erzählen und zu zeigen. Was seine Veranstaltungen jedoch so besonders macht, ist seine Sprache. Obwohl er wegen der Fülle an Informationen ein zügiges Redetempo anschlägt, kann man ihm immer folgen und er bringt dabei auch komplizierte Satzbauten stets perfekt zu Ende. Da bleiben niemals irgendwelche Halbsätze unfertig in der Luft hängen. Auch Antworten auf Fragen aus dem Publikum oder sonstige spontane Abweichungen vom Vortrag, klingen immer so, als ob er lange daran gefeilt hätte, ohne dabei unnatürlich zu erscheinen. Außergewöhnlich langer und heftiger Applaus hat das gewürdigt.

Bild: www.uni-salzburg.at

 

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