Im Skurrilen spiegelt sich unser Leben
IM PORTRÄT / BERNHARD WENGER
26/02/25 Die Filmsatire ist das bevorzugte Metier des Salzburger Filmregisseurs Bernhard Wenger. Gerade läuft in Österreichs Kinos sein Spielfilmdebüt Pfau – Bin ich echt? an, mit dem er im Vorjahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig 2024 erfolgreich war.
Von Reinhard Kriechbaum
Der Film wurde in Venedig in der Sektion „Settimana Internazionale della Critica“ uraufgeführt und dort mit zwei Preisen bedacht – eine kleine Sensation, denn selten schaffen es österreichische Beiträge ins Programm des renommierten Festivals am Lido.
Was sich durch alle seiner bisherigen filmischen Werke durchzieht ist der schwarze Humor. Manche von Wengers Kurzfilmen sind genau deshalb auf internationalen Festivals aufgefallen, etwa Entschuldigung, ich suche den Tischtennisraum und meine Freundin, beim Filmfestival um den Max Ophüls Preis 2018 mit dem Publikumspreis bedacht, auf der Diagonale 2018 und im Jahr darauf beim Österreichischen Filmpreis als bester Kurzfilm gekürt. Ein Zerwürfnis, sie ist plötzlich weg. Er durchstreift die durchgestylt-surrealistische Hotellandschaft. Sie bleibt verschwunden, Kurzkontakte mit Menschen, die Episode bleiben.
Wengers Kurzfilm Ausstieg Rechts wurde 2015 bei den Rüsselsheimen Filmtagen ausgezeichnet, Gleichgewicht erhielt 2016 den Jurypreis der Filmtage Friedrichshafen.Für Aufnahmen einer Wetterkamera wurde Bernhard Wenger 2023 mit dem Filmnachwuchspreis Simon S* der Stadt Salzburg ausgezeichnet. Da hat der 1992 in Salzburg geborene Bernhard Wenger Urlaubs-Sehnsuchtsorte und dort lauernde zwischenmenschliche Fallen aufs Korn genommen. Die fix installierten Wetterkameras machen erbarmungslos gleichmäßig ihre Schwenks, und die Spielszenen offenbaren, dass es nicht unbedingt Skilehrer sind, die hier den Macho raushängen lassen. Es geht mit der Anmache nicht erst „apres“ an der Schirmbar los... Jetzt also der erste abendfüllende Spielfilm Pfau – Bin ich echt? Wenger liebt das Skurrile und die Verbindung mit alltäglichen Situationen und schöpft daraus Inspiration. „Oft geht es auch um die Fortsetzung von Dingen, die ich im echten Leben erlebe. Bei denen denke ich dann: Was wäre, wenn jetzt noch das und das passieren würde?“
Konkret kam die Inspiration zum Film, als er 2014 auf einen Artikel in der Zeitschrift The New Yorker über Rent-A-Friend-Agenturen gestoßen war. „Seitdem habe ich die Idee, darüber einen Film zu machen, im Hinterkopf getragen“, verrät Wenger. Über „Rent-A-Friend“-Agenturen, kann man sich Menschen „ausleihen“, um zum Beispiel mit ihnen Kaffeetrinken zu gehen, oder in ein Museum. In Japan gibt es diese Agenturen schon seit Jahren, da dort die Vereinsamung der Gesellschaft bereits bedenkliche Dimensionen angenommen hat.
Matthias, Hauptfigur in Pfau – Bin ich echt?, ist jeden Tag jemand anderer. Der „perfekte Sohn“ bei einer Geburtstagsfeier, ein belesener Partner für einen Theaterabend oder einfach ein Gegenüber für die Probe eines Ehestreits. Matthias ist Chef der Agentur „Mein Companion“, über die man sich Menschen für alle Situationen „ausleihen“ kann. Wenn er allerdings am Abend nachhause kommt, weiß er nicht mehr, wer er selbst eigentlich ist. Als ihn seine Freundin Sophia deswegen verlässt, wird Matthias auf sich selbst zurückgeworfen. Die Trennung löst eine Kettenreaktion an Situationen aus, die immer absurder werden.
Seine Liebe zum Film trägt Wenger schon seit seiner Jugend in sich. „In der Stadtbibliothek Salzburg gibt es eine Filmsektion. Dort habe ich mir DVDs ausgeborgt und alles angeschaut“, verrät Wenger im Interview mit der Filmzeitschrift gap. Nach dem Regie- und Produktionsstudium an der Filmakademie Wien konnte er nun seinen ersten, internationalen Langfilm fertigstellen.
Für den Schnitt von Pfau – Bin ich echt? zeichnet ein weiterer Salzburger verantwortlich: Rupert Höller – ein langjähriger Freund und kreativer Wegbegleiter von Wenger. In ihrer Jugend haben sie gemeinsam Musikvideos und Kurzfilme gedreht. Auch die Filmakademie haben sie gemeinsam besucht. (Das Kino/dpk-krie)
Derzeit zu sehen im Salzburger Filmkulturzentrum Das Kino – Zum Trailer– www.daskino.at
Bilder: Das Kino / Hannah Schwaiger (1); Polyfilm (2)