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Fuß-Pilz wörtlich

SALZBURGER HEIMATWERK / UNTERHOSENDIRNDL UND SPIEGELTRACHT

02/06/17 Das „Glas“ der Butzenscheibe ist noppige Verpackungsplastik. Die Knopfleiste des weißen Dirndls war einst der Bund einer Männerunterhose bekannter Marke. Der kimonoartige Prachtmantel ist aus hunderten Markenlogos zusammengenäht und outet sich bei näherer Betrachtung selber als „Etikettenschwindel“.

Von Heidemarie Klabacher

Das silbrige Dirndl im Schaufenster geht als opulente Festtagstracht durch, doch der Stoff ist weder Samt noch Seide, sondern Alufolie... So wird man dieser Tage im „Salzburger Heimatwerk“ immer wieder aus gewohnten Seh- und Deutungsgewohnheiten herausgerissen. Was in der Form klassisch bis traditionell-bäuerlich daherkommt, ist im Material oft bis zur Befremdung verfremdet. Zehennägel-Schnipsel auf elegantem Trachtenschuh? Dass es sich nicht um ein Zitat traditioneller Federkielstickerei handelt, kapiert man erst, wenn man mit leichtem Schauern das erklärende Kärtchen liest…

In der Treppen-Nische hinunter ins Gewölbe, wo etwa das plastikerne „Kirchenfenster“ zu finden ist, ist ein wunderschönes „Taufkleid“ ausgestellt – ein zart fließendes ätherisches Stück bestehend aus kleinen patchworkartig aneinandergenähten Stoffquadraten mit je einem Foto im Zentrum.

Erst der Blick auf das stark vergrößerte Foto zeigt, dass es Baby-, Klein- oder Schulkinderporträts sind, die mit zunehmender Rocklänge immer größere Kinder zeigen.

Auf Saumtiefe sind sie herangewachsen zu rauchenden Jugendlichen… Ob es sich „oben“ und „unten“ um jeweils die gleichen Kinder in verschiedenen Altersstufen handelt? Fast anzunehmen, so akribisch, wie die Künstlerin Cäcilia Gabriel ihre Arbeiten konzipiert.

„Das Salzburger Heimatwerk in der Neuen Residenz ist ein Zentrum von handwerklichem Können und kreativem Schaffen. Hier spiegelt sich die Salzburger Lebenskultur auf vielfältige und sympathische Weise“, sagt der Geschäftsführer Hans Köhl.

Er hat die Ausstellung „Unterhosen und Spiegeltracht“ im Rahmen von „Hand.Kopf.Werk“ initiiert und erwartet sich kreative Auseinandersetzung im Spannungsfeld von „Tracht und Kunst“.

Cäcilia Gabriel, „aufgewachsen im bäuerlichen Milieu mit Stallgeruch und Motorsägen-Sound“, studierte an der Universität Mozarteum Bildnerische Erziehung und Textiles Gestalten. Von großem Gespür für die traditionellen Formen und Techniken und von fundiertem handwerklichen Können zeugen die textilen Verfremdungen oder die Fadenbilder, von psychologisch grundiertem Bewusstsein für etwa mythologische Motive etwa ihre „männlich“ bzw. „weiblich“ konnotierten „Baum-Traumbilder.

Die Ausstellung „Unterhosen und Spiegeltracht. Textile Enthüllungen der Cäcilia Gabriel“ ist bis 17. Juni in den Räumlichkeiten des Salzburger Heimatwerks zu sehen - www.salzburgerheimatwerk.at
Bilder: dpk-klaba

 

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