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Wien und Peking - zwei Welten

BAD ISCHL / DAS LAND DES LÄCHELNS

24/07/18 In Lehárs 70.Todesjahr erhält das Gedenken an den Ischler Operettenkönig besondere Prägung. Die Unvereinbarkeit kultureller Unterschiede ist das Basisthema im „Land des Lächelns“, einer Operettenstory ohne Happy End.

Von Elisabeth Aumiller

Das Herz weint und das Gesicht soll „immer nur lächeln“. So traurig ist das Ende einer großen Liebe im Land des Lächelns. Der Wiener Operettenspezialist Wolfgang Dosch ist der Regisseur, der die Liebesromanze zwischen der Wiener Grafentochter Lisa und dem China-Prinzen Sou-Chong mit Ernsthaftigkeit und feinsinnigem Gefühl inszeniert hat. Wien und Peking sind hier zwei gesellschaftlich weit auseinanderklaffende Welten, die sich nicht vereinen lassen. Vom exotischen Flair des Prinzen ist die erfolgreiche Reiterin Lisa fasziniert, verliebt sich in ihn, lässt ihren Verehrer Graf Gustl abblitzen und folgt Sou-Chong in seine chinesische Heimat, wo er zum Ministerpräsidenten ernannt und ihm als höchste Auszeichnung die „Gelbe Jacke“ verliehen wird. Da Lisa den damit einhergehenden Verpflichtungen kein Verständnis entgegenbringen kann, will sie in ihre eigene Welt zurückkehren. Erst als der Prinz sie freigibt, gelingt die Heimkehr mit Graf Gustls Hilfe, der sich inzwischen in des Prinzen Schwester Mi verliebt hat. Vier gebrochene Herzen bleiben zurück – in Bad Ischl aber auch ein begeistertes Auditorium.

Ausstatter Toto schafft schöne kleidsame Kostüme und ein schlichtes Bühnenbild mit einem allbeherrschenden alten Wiener Stadtplan. Mit Kaiserbart stolziert Lisas Vater Graf Lichtenfels (Bernhard Teufl) einher. Elegante Tänzer mimen als Doubles der Liebenden deren emotionale Stimmungen. Ein goldener Buddha als Geschenk des Prinzen korrespondiert mit exotischen Klängen und China präsentiert sich mit dienstbaren Eunuchen und dem hübschen Tanzarrangement von trippelnden Chinesinnen mit Schirmchen. Der Regisseur lässt jedoch gängige Operettenklischees weitgehend außen vor, nimmt das Stück ernst, auch wenn es sich mehr um ein Fantasie-China als um eine historische Realität handelt. In Korrespondenz mit Lehárs opernhaft angelegter Musik, die mit schillernder exotischer Couleur angereichert ist, inszeniert Dosch auch szenisch eine Mischung aus Oper und Operette und lässt die Dialoge und Duette zwischen Lisa und Sou-Chong zum lyrischen Kammerspiel werden.

Die Musik hat das absolute Primat im „Land des Lächelns“. Ausnahmslos wurde in dieser Operette jede Musiknummer zum allbekannten Hit, wie in keiner anderen Operette. Zunächst war dem Stück „Die Gelbe Jacke“ nach Ideen von Victor Léon kein Erfolg beschieden gewesen. Erst die gründliche musikalische und szenische Umarbeitung und der Einfluss vom damaligen Tenorstar Richard Tauber brachte den Welterfolg mit dem „Tauberlied“ („Dein ist mein ganzes Herz“), das im Repertoire auch jedes Operntenors von damals bis heute obligat ist. Ein Hit reiht sich an den anderen: „Von Apfelblüten einen Kranz“, „Bei einem Tee a deux“, „Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt“, „Meine Liebe, deine Liebe“, „Ich möcht' wieder einmal die Heimat seh'n“ und andere mehr.

In der jungen Italienerin Daniela Musca hat das Festivalorchester eine von Temperament sprühende Dirigentin, die aus der Partitur Glanz und Power herausholt, mit dramatischen Impulsen nicht geizt und ebenso Gespür hat für lyrisch empfindsame Feinheiten und gute Sängerbegleitung. Ihr gebührt ein Löwenanteil am musikalischen Erfolg. Ebenso dem fabelhaften Sou- Chong von Thomas Blondelle, der mit emotionaler Intensität und klangvollen tenoralen Farben die berühmten Tauberlieder stimmschön gestaltet. Die Lisa von Alexandra Reinprecht macht optisch die Gräfin und fesche Reiterin glaubhaft, gibt ihrem Part auch dramatischen Applomb, aber gesanglich kann sie ihre Höhen leider nur mit bedenklich schwankenden Vibratowellen zum Einsatz bringen. Gesanglich wie in charmanter Präsenz ist Verena Barth-Jurca eine ideale Besetzung für Mi. Peter Kratochvil macht Graf Gustl zum schalkhaft-lustigen Wiener Leichtfuß, der bei Mi auch zartere Töne anschlagen kann. Der Rest der Darsteller komplettiert passend die Szenerie.

Aufführungen bis 2. September – ww.leharfestival.at
Bilder: Lehár Festival / www.fotohofer.at

 

 

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