(Nicht) alles Walzer

WIENER STAATSOPERNBALLETT / SAOS SYMPHONIC

02/01/15 Nach diesem Dienstagabend im Großen Festspielhaus war die Meinung einhellig: Es hätte sich kein schönerer, beschwingterer Ausklang zum 1. Jänner denken lassen als das, was die Kulturvereinigung diesmal unter der befeuernden Leitung von Leo Hussain angeboten hat.

Von Horst Reischenböck

Was haben Pjotr Iljitsch Tschaikowsky und die Familie Strauß miteinander gemeinsam? Nun, der große Russe war, wie übrigens viele seiner Landsleute, ein begnadeter Walzer-Komponist. Das belegt der an Stelle eines Scherzos stehende 3. Satz seiner Sinfonie Nr. 5 genauso wie die entsprechenden Einlagen in die abendfüllenden Ballette.

Von dieser Warte aus betrachtet, war es nur logisch, dass sich die als SOAS Symphonic firmierenden Salzburger Orchester Solisten vor der Pause der Suite op. 71a aus „Der Nussknacker“ - in des Wortes tatsächlicher Bedeutung – hingaben. Zugleich Beweis dafür, dass es nicht eines groß besetzten Klangkörpers bedarf, um die Feinheiten einer an sich schon formidabel instrumentierten Partitur in allen Facetten funkeln zu lassen. Nicht zuletzt auch dank des animierenden Taktstocks in Händen von Leo Hussain, der damit wenigstens für diesen einen Abend an seine frühere Tätigkeitsstätte Salzburg zurückkehrte.

Fein ziseliert schon die kammermusikalische Ouvertüre miniature, gefolgt von manch klanglich überraschend hervorgeholten Details in den Tänzen, in denen dann ein erster Auftritt von Mitgliedern der Vereinigung Wiener Staatsopernballett erwartet werden durfte: ein sprungkräftiges Männerquartett im Trepak und ein zerbrechlich anmutend filigranes chinesisches Duo vor dem Klangkörper. Getoppt durch den auch instrumental berührend ausgespielten Pas de deux von Anna und ihrem im Traum lebendig zum Prinzen gewordenen Nussknacker.

Alles Walzer“ versprachen dann nach der Pause bereits die entsprechenden Abschnitte innerhalb der immer wieder zündenden „Fledermaus“-Ouvertüre, der im späteren Verlauf, weit seltener zu hören, Richard Heubergers Ouvertüre zu „Der Opernball“ folgte. Nicht alles und jedes wurde jedoch „vertanzt“, da die insgesamt fünf Damen mit ihren Partnern zwischendurch auch Erholungspausen bedurften. So beispielsweise zum genussvoll alleinigen Lauschen die schwelgerische Polka mazur „Frauenherz“ von Joseph Strauß und auch der Walzer „Ballsirenen“, für den Franz Lehár den Schatz an Melodien, die er in seiner „Lustigen Witwe“ ausgebreitet hatte, publikumswirksam und dementsprechend erfolgreich „plünderte“.

Dafür gab's dann wieder die Tanzpaare in der Strauß-Brüder Polkas „Unter Donner und Blitz“ und „Feuerfest“ zu bewundern. Ebenso im Lieblingswalzer aller Börsenspekulanten „Seid umschlungen, Millionen“. Da durfte dann logischerweise zum offiziellen Schluss dann ein weiteres Mal auch der „Donau“-Walzer nicht fehlen, mit dem sich auch das Corps de Ballet lebhaft akklamiert verabschiedete. Der „Radetzky“-Marsch von Strauß Vater war danach unvermeidlich.

Bild: Salzburger Kulturvereinigung