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Von teurer, unerfüllter Liebe

SALZBURGER JAZZHERBST / PAUL ANKA

07/11/11 Das Licht schlich sich aus dem Saal, kreischende Teenies fassten sich der Ohnmacht nahe an den noch ungeküssen Mund und rissen ihre Arme hoch in der Hoffnung, Paul Anka berühren zu können. Befanden wir uns auf einer Reise durch ein Wurmloch? Keineswegs: Paul Ankas Techniker hatte lediglich den Beamer eingeschalten.

Von Per Peterson

Zelloloide Erinnerungen aus der Jugend, ein Fotoalbum der Kinder und Enkelkinder und der eine oder andere bildliche Rückblick auf die Zusammenarbeit mit Kollegen wie Michael Jackson oder Buddy Holly: Das war ein wichtiges Element der diesjährigen Abschluss-Gala des Salzburger Jazzherbstes mit dem Titel „The Storytellers“. Kein Zufall, dass gerade Paul Anka für den Final-Abend eingeladen worden war. Geschichten von Einsamkeit, Geschichten über erste Dates und allen voran Geschichten über unerfüllte Liebe treffen das Herz heute ebenso wie vor fünfzig Jahren, als Paul Anka seine Karriere als einer der wirklich großen Sänger und Entertainer begann.

Zugegeben: Leinwand-Peinlichkeiten wie Schnappschüsse der Kleinsten aus der Familie Anka und politisch überkorrekte Bemerkungen über die Diskriminierung des Weggefährten Sammy Davis Jr. wären vermeidbar gewesen, ohne dass der Abend an wohliger Sentimentalität verloren hätte – dafür sorgten schon Ankas unvergleichliche Stimme und das Charisma eines Entertainers, der weiß, dass er schon gewonnen hat, sobald er nur die Bühne betritt.

Von einer ordentlich musizierenden, wenn auch nicht wirklich Las Vegas-Feeling versprühenden 11-köpfigen Bigband begleitet präsentierte Paul dem Publikum Anka pur: Songs, die er ursprünglich entweder selbst interpretiert oder Kollegen wie Tom Jones auf den Leib geschneidert hatte. Oder Versionen von Klassikern, die jeder heute pensionierte Teenager mitsingen kann: „She´s a Lady“, „My Way“, „Mack the Knife“ oder „Lonely Boy“.

Dass Paul Anka seinen Stil des lässigen Rock´n´Roll- und Swinginterpreten nie verlassen hatte, ist ihm hoch anzurechnen: Selbst die Coverversionen der 2005 erschienenen CD „Rock Swings“ lassen den Schwarm der sechziger Jahre in authentisch- jugendlichem Licht erstrahlen, auch wenn das Arrangement, die swingtypische Langsamkeit dem Van Halen Songs „Jump“  alle Zähne zog.

Bei all seinen Songs erwies sich Anka als Meister des Entertainments: Mal nahm er eine Kamera aus dem Publikum an sich um sich selbst zu fotografieren, mal sang er zur Melodie von „Put your head on my shoulder“ die Worte „This is Paul Anka speaking“ in ein Smartphone, welches ein unvorsichtiger Konzertbesucher nicht schnell genug verschwinden lassen konnte.

Dass Anka seinen Zehn-Millionen-Seller „Diana“ gleich zwei mal – zu Beginn und zum Ende des Konzertes - sang, mag wenig überraschen: Es zahlt sich offenbar aus, einer unerfüllten Liebe zu folgen und dem drei Jahre älteren Kindermädchen der kleinen Schwester ein Lied zu widmen.

Bild: www.salzburgerjazzherbst.at

 

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