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Villazón wird künstlerischer Chef von allem

STIFTUNG MOZARTEUM / LEITUNG

01/07/21 Seit 2019 ist Rolando Villazón Intendant der Mozartwoche – und nun wird er auch zum künstlerischen Leiter der Stiftung Mozarteum bestellt. Damit übernimmt er „die Gesamtverantwortung für den laufenden Konzertbetrieb und alle künstlerischen Aktivitäten der Stiftung Mozarteum“, gab die Stiftung heute Donnerstag (1.7.) nachmittags bekannt.

Von Reinhard Kriechbaum

Die Stiftung taumelt ja seit Monaten. Nicht nur, weil die Pandemie den Konzertbetrieb verhindert hat und wegen der Schließung der Mozart-Museen aus dem gleichen Grund viel Geld durch die Finger geronnen ist. Im Februar dieses Jahres wurde bekannt, dass sich Konzertchef Andreas Fladvad-Geier einen anderen Job sucht, und der derzeitige kaufmännische Geschäftsführer Tobias Debuch die Stiftung im Herbst verlassen wird. Es wirkte, als ob die Kapitäne das sinkende Schiff verlassen.

Also war eine neue Führungsspitze gefragt und man hat, so Johannes Honsig-Erlenburg, Präsident der Stiftung Mozarteum, „eine Management-Lösung aus den eigenen Reihen“ gefunden. Es wird eine Doppelspitze. Die Lösung auf kaufmännischer Seite verwundert nicht, der gebürtige Österreicher Rainer Heneis wird neuer Geschäftsführer. Der ausgebildete Diplom-Kaufmann und langjährige Medien- und Kulturmanager ist bereits seit 2019 in der Stiftung tätig und bisher als Chief Marketing Officer/CMO für Marketing- und Kommunikation verantwortlich.

Schon überraschend ist es, dass man den Aufgabenbereich für Rolando Villazón erweitert und ihn quasi zum künstlerischen Chef von allem macht. „Die noch stärkere Bindung von Rolando Villazón an die Stiftung Mozarteum versetzt uns in die Lage, die musikalischen Angebote der Stiftung zusätzlich zur erfolgreichen Mozartwoche langfristig und vernetzt weiter zu entwickeln und dauerhaft in Salzburg zu verankern“ so Johannes Honsig-Erlenburg.

Zuerst hat man Villazón ja als „Internationalen Mozart-Botschafter der Stiftung“ durch die Lande geschickt, seit 2019 ist er fürs Programm der Mozartwoche zuständig. Da läuft sein Vertrag vorerst bis 2023.

Den 1972 in Mexico City geborenen Rolando Villazón braucht man nicht vorstellen. Seinen kometenhaften Aufstieg als Tenor und seine künstlerischen Krisen hat man hierorts hautnah mitbekommen. Er ist aber der Typ Mensch, der sich nicht unterkriegen lässt – eine Eigenschaft, die ihm als künftigem künstlerischen Leiter zupass kommen wird. So geht er jetzt sehr vorsichtig und besonnen mit seiner Stimme um. Villazón konnte ab 2011 als Opernregisseur Fuß fassen und hat sogar drei Bücher geschrieben: „Kunststücke“ (2013), „Lebenskünstler“ (2017) und „Amadeus auf dem Fahrrad“ (2020).

Rainer Heneis, geboren in Tulln/NÖ, studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Köln und startete als Diplom-Kaufmann seine berufliche Laufbahn im deutschen Privatfernsehen in der Mediengruppe RTL. Später war er in unterschiedlichen Management-Funktionen bei privaten Fernsehsendern, Produktionsunternehmen und in der Medienvermarktung tätig (Sat.1, kabel eins, RTL II, SPORT1). Er war auch Commercial Director bei ProSiebenSat.1 TV Deutschland. Neben vielfältigen Projekten in der Medienbranche ist Rainer Heneis durch seine Tätigkeit bei der Deutschen Bahn AG sowie als Consultant im Musik-, Sport- und Eventbereich ausgewiesener Experte für strategische Markenführung und, wie es in seiner Biographie so schön heißt, für „Vermarktung emotionaler Themenwelten im Rahmen der Digitalisierung.“

Bilder: ISM / Nadine Kröpfl

 

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