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SONNTAGSMATINEE / MOZARTEUMORCHESTER

01/04/19 Ein Ereignis der besonderen Art - die vierte Sonntagsmatinee des Mozarteumorchesters. Mit Schubert, Chopin und Beethoven war sie kulinarisch programmiert, beflügelt durch Chefdirigent Riccardo Minasi, getoppt durch den jungen Pianisten Jan Liesiecki.

Von Horst Reischenböck

Wäre Franz Schubert vielleicht gar der bessere Rossini geworden? Die von diesem inspirierte Ouvertüre C-Dur im italienischen Stil D 951 legt den Gedanken daran nahe, vor allem was die Klangfarben der Holzbläser betrifft, die Riccardo Minasi lustvoll auskosten hieß. Die für Schubert typischen und von ihm abwechslungsreich instrumentierten Melodien wurden perfekt umgesetzt, das Ganze dann mit „italienischem“ Schwung aufgeheizt. Ein lustvoller Einstieg ins Programm.

Für Frédéric Chopin hingegen war Orchesterbehandlung eher ein notwendiges Übel, nur um gleichsam über einer schlichten Folie sein eigenes pianistisches Können ausbreiten zu können. Darunter leidet besonders das Klavierkonzert Nr. 2 f-Moll op. 21, dessen ursprüngliche Partitur verloren ging. Unzufrieden mit der Rekonstruktion, bemühten sich etliche Interpreten um wirksame Verbesserungen, wie jüngst etwa Mikhail Pletnev.

„Noch ist Polen nicht verloren!“ Auch wenn Solist Jan Lisiecki, der damit seine Visitenkarte Debüt im Haus für Mozart abgab, kanadischer Staatsbürger ist: Riccardo Minasi trieb für ihn das Mozarteumorchester ambitioniert in das eröffnende Tutti und bereitete damit das ideale Terrain für Lisieckis, zum vorerst verhalten lyrischen Einstieg. Dann aber nahm der Solist den Fehdehandschuh auf und steigerte sich ins Kämpferische. Nach diesem brillant fingerfertig aufgeheizten Maestoso versenkte sich der Gast introvertiert am Steinway in den Gesang des Larghetto. Glitzernd, spielerisch-verspielt, überzeugend mit eigenen Akzenten angereichert ging‘s dann durch das tänzerische Finale, bis Minasi zuletzt das Horn energisch zum wirbelnden Ansturm blasen ließ.

Für den Begeisterungssturm bedankte Lisiecki durch ein „Lied ohne Worte“ von Felix Mendelssohn, mit dem er sich in letzter Zeit beschäftigte.

Noch im 19. Jahrhundert waren Aufführung von Beethoven-Sinfonien eher rar. Das Mozarteumorchester setzte sich seit den 1950ern wieder damit auseinander, wobei seine letzte Aufführung der „Fünften“ auch schon wieder 25 Jahre zurückliegt. Riccardo Minasi brachte seine erfrischende Sicht auf die Symphonie Nr. 5 c-Moll op. 67 ein. Das bereits Joseph Haydn bekannte klopfende „Schicksals“-Motiv brachte Minasi fast unterschwellig und, Beethovens eigenen Metronom-Angaben gemäß, zügig in Fahrt, bis die Oboe hingebungsvoll den aufkeimenden Kampf unterbrach. Auf das beruhigende Andante geisterte danach der Spuk des Allegro, in dessen Trio-Abschnitte Minasi die Bass-Anläufe sehr gezielt hineinstolpern ließ. Vorzüglich auch seine Idee, das den Triumph strahlend akzentuierende Piccolo nebst Kontrafagott und Posaunen erst während der geheimnis-schwangeren Überleitung zum Schluss-Satz auftreten zu lassen. Das ersparte den Musikern, während der vorangegangenen Sätze auf dem Podium ausharren zu müssen. Eine Aufführung, die im Gedächtnis bleiben wird.

Die fünfte und letzte Sonntagsmatinee dieser Saison unter dem Motto „Weltklang“ am 26. Mai gilt Gustav Mahlers Fünfter Symphonie – www.mozarteumorchester.at
Bild: Mozarteumorchester / Holger Hage