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Die Donau tritt nahe Havanna aus den Ufern

PHILHARMONIE SALZBURG / KLAZZ BROTHERS AND CUBA PERCUSSION

02/01/17 Lisi Fuchs hatte noch nie Scheu vor Crossover-Projekten. Den Doppelpack ihrer Konzerte zum Neujahrsbeginn toppte sie durch die schrägen Jazz-Arrangements von „Classic meets Cuba“. Das Publikum im Großen Festspielhaus tobte vor Begeisterung.

Von Horst Reischenböck

Vorerst war durch Antonin Dvořák noch hehre Sinfonik angesagt. Auch er hinterließ bekanntlich ihrer neun und als letzte, mit Abstand bekannteste die „Aus der Neuen Welt“ in e-Moll op. 95. Allem Positivismus des Einführungstextes zum Trotz spiegelt sich außer wohl eklatantem Heimweh unüberhörbar als Ausklang des Finales keine sieghafte Zuversicht bezüglich eines Landes damals noch unbegrenzter Möglichkeiten. Genauem Hören entschlüsselt sich skeptische Betrachtungsweise des komponierenden Gastes. Dem trug Elisabeth Fuchs zusammen mit der ihr großartig verschworenen Philharmonie Salzburg voll Rechnung, nachdem sie zuvor nahezu atemlos durch den Kopfsatz geprescht war und dafür das Largo perfekt aufblühend in einsame Höhen hinein zelebrieren ließ.

Nach der Pause wechselte der Blick vom Norden Richtung Mittelamerika. Auch in der Optik: Da stand ein Steinway vor dem Orchester, daneben lehnte ein Kontrabass und dahinter waren zusätzlich noch eine Reihe Schlaginstrumente postiert: Timbales, Bongos und Congas für die Hände von Alexis Herrera Estevez und Elio Rodrigo Luis, dazu Tim Hahn an der Batterie sitzend. Vor elf Jahren ließ das Quintett mit „Mozart meets Cuba“ aufhorchen und begeisterte international, jetzt legen die Herren noch mittels sinfonischem Klanggewand ein Schäuferl nach, in Arrangements von Sverre Indris Joner und Robias Forster, denen sozusagen jeglicher Respekt vor Originalen mangelt. Das führt zu erfrischenden Ergebnissen führt, gleich ob mit dem frechen Einstieg in Bizets Oper „Carmen“ als Beginn oder klassischen Ohrwürmern.

„Kennen Sie den Ungarischen Tanz Nr. 5 von Brahms?“ Wer nicht, und dennoch war die Frage berechtigt, denn so hatte ihn hier wohl noch niemand gehört! Oder den Kubanischen Rohrzucker, mit dem Tschaikowskys „Tanz der Fee Dragée“ aus seinem Nussknacker-Ballett versüßt wurde. In berühmten Csárdás von Monti bewies Ensemble-Initiator Kilian Forster am Bass kantable Qualität in höchste Regionen hinein. Später lieferte er mit Rimsky-Korsakows „Hummelflug“ weitere Beweise stupend virtuosen Könnens. Dazwischen eingebettet erklangen Piazzollas Libertango und das Andante aus Mozarts C-Dur-Klavierkonzert KV 467, dessen Solopart Pianist Bruno Böhmer Camacho gekonnt in freier Improvisation zu Bolero und Afro-Rhythmen in abseitige Pfade führte – Wolfgang hätte es absolut gefallen mögen. Genauso, wenn Elisabeth Fuchs dann im zum „Kubanischen Marsch“ umfunktionierten Rondo alla Turca die Streicher der Philharmonie Salzburg zu einem Fugato analog der „Zauberflöten“-Ouvertüre aufforderte.

Die „schöne blaue Donau“ von Strauss lag dann zwingend auch in der Nähe von Havanna und trat dort gleichsam über ihre Ufer, und nach Standing Ovations öffneten sich dank „Mambozart“ – dem ohnedies längst schon zum Handy-Klingelton mutierten Kopfthema aus der großen g-Moll-Sinfonie des Genius loci in Cha cha cha-Manier – alle Schleusen an jubelnder Zustimmung. Noch mitreißender hätte sich der Einstieg ins neue Jahr kaum nehmen lassen!

Bilder: www.grandmontagne.de / Mirco Jörg Kellner (1); www.philharmoniesalzburg.at / wildbild

 

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