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Sterne und die Laterna Magica

LESEPROBE / AUS SALZBURGS HOHER SCHULE GEPLAUDERT

31/12/12 Was gibt es nicht für hübsche Geschichtchen aus den Salzburger Hörsälen, von denen, die hier lehrten oder den Vorlesungen lauschten. Den legendären „Stein der Weisen“ hat man hier aber doch nicht gefunden. - Christoph Brandhuber, Archivar der Universität Salzburg, hat für ein im Müry Salzmann Verlag hundert Histörchen zusammengetragen.

BLICK IN DIE STERNE Im 17. Jahrhundert sind Astronomie und Astrologie eng verwoben. Mit einem vom Hofastronomen Tycho Brahe gefälschten Horoskop versucht Erzbischof Wolf Dietrich die Politik des Kaisers zu beeinflussen. Noch ein halbes Jahrhundert später erstellt Universitätsprofessor Philibert Utz auf Anfrage Horoskope. Auch sucht er nach dem Stein der Weisen, der Abt seines Heimatklosters Melk spornt ihn an: „Gold verlange ich nicht, ich werde mit dem geschaffenen Silbergeld zufrieden sein!“ Doch Utz findet „nur“ Rezepte zur Herstellung von Tinte, Farben und Medikamenten.
Der Benediktinerprofessor Corbinian Thomas reüssiert 1730 mit seinem „Firmamentum Firmianum“. Auf 83 kolorierten Kupfertafeln präsentiert er den Himmelsglobus zu Ehren des Erzbischofs Firmian. Oft vergisst der beliebte Professor sein Redemanuskript – „und doch wusste er jedesmal unter allgemeiner Anerkennung zu einem glücklichen Ende zu kommen“.


ROKOKOKARRIERE Beda Seeauer aus Hallstatt kommt zum Studium nach Salzburg, tritt in das Stift St. Peter ein und wird mit 27 Jahren Professor an der Universität. Der gefragte Prediger ist ein überaus produktiver Schriftsteller, dem vor allem die Geschichte von St. Peter am Herzen liegt. Nach seiner Wahl zum Abt erweist er sich als fähiger Organisator und Bauherr, der das Kloster im Stil des Rokoko erneuert. Er bewundert die Malerei von Kremser Schmidt und hört am liebsten die Musik Johann Michael Haydns, dem er bei der Wohnungsmiete entgegenkommt.
In seinen umfangreichen, in lateinischer Sprache geführten Tagebüchern zeigt sich, wie eng der Abt der Universität zeitlebens verbunden bleibt. So übt er heftige Kritik an der aufklärerischen Bildungspolitik des Erzbischofs und bedauert die Abschaffung des Studententheaters. Mit Seeauer stirbt 1785 einer der bedeutendsten Äbte in der Geschichte St. Peters.


LATERNA MAGICA Der Benediktinerprofessor Anselm Desing besitzt „die seltene Gabe, die Jugend für die Wissenschaften zu begeistern“. Er zeichnet Karten, konstruiert Globen, entzückt die Studenten vor allem mit seiner Laterna magica: In diesem Guckkasten sind die „merkwürdigsten Sachen von Anfang der Welt“ zu sehen, „die gantze Histori als wie ein Bild oder Comoedia“.
Freundschaftliche Beziehungen pflegt Desing mit dem Stift Kremsmünster. Dort wird die Sternwarte als „erster Wolkenkratzer Oberösterreichs“ nach seinem Entwurf gebaut. Das Modell dafür wandert mehrmals zwischen Salzburg und Kremsmünster hin und her, um „notwendig gewordene Abänderungen zu beraten“. Später tritt Desing in fürstliche Dienste, reist nach Rom und wird zuletzt Abt des Klosters Ensdorf. Seine Hoffnung, „mit der Feder in der Hand sein Leben auszuhauchen“, geht beinahe in Erfüllung: Er stirbt 1772 in einem Sessel sitzend im Kreis seiner Mitbrüder.


MALERAKADEMIE Der kunstsinnige Erzbischof Colloredo ruft 1784 eine „Malerakademie“ ins Leben, in der unentgeltlich Zeichenunterricht gegeben wird: „Geschicklichkeit im Zeichnen“ ist „bei einer feineren Erziehung“ wünschenswert und erleichtert das Erlernen vieler Berufe! Der Unterricht findet zunächst im Ritzerbogenhaus statt, nach 1804 im Alten Studiengebäude.
Als Anschauungsmaterial für die Schüler dienten wohl sechs großformatige Klebebände, die den Titel „Malerakademie“ trugen und Anfang der 1930er Jahre wieder in Einzelblätter zerlegt wurden. Neben Zeichnungen von Meisterhand, wie PaoloVeroneses Skizzenblatt zu „Rahel am Brunnen“, finden sich Studien nach berühmten römischen Künstlern, die neue Aspekte des Salzburger Kunstgeschmacks und Kulturtransfers dokumentieren. Die Handzeichnungen und Druckgraphiken der Klebebände sind heute kostbarer Bestandteil der Universitätsbibliothek.


Christoph Brandhuber: Aus Salzburgs Hoher Schule geplaudert. Hundert Mini-Traktate unter einen Hut gebracht (= uni:bibliothek 2, herausgegeben von Ursula Schachl-Raber). Müry Salzmann Verlag, Salzburg/Wien 2012. 175 Seiten, 19 Euro.
Bilder: Hubert Auer

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags Müry Salzmann

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