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Zu treuen Händen

RAURISER LITERATURTAGE / NEUE LEITUNG

24/01/12 Ines Schütz kennt man aus dem Literaturhaus Salzburg, dem sie seit 1995 eng verbunden ist, von Einführungen, Autorengesprächen und Ausstellungen. Manfred Mittermayer von seinen Vorträgen zu Thomas Bernhard, seinen Einführungen etwa beim Filmclub in „Das Kino“ - und natürlich von seinen Büchern. Mit Ines Schütz und Manfred Mittermayer übernehmen zwei Salzburger „Erz-Germanisten“ die Leitung der Rauriser Literaturtage.

Von Heidemarie Klabacher

altSeit 1990 leitete Brita Steinwendtner die Rauriser Literaturtage, die sie in einer Zeit übernommen habe, „als dort noch ein relativ kleiner Betrieb herrschte“ und „man fast schon zusperren wollte, weil nichts mehr los war“. Sie habe damals noch zehn Jahre lang beim ORF gearbeitet: „Der Rundfunk war mein Hauptjob.“ Die Literaturtage habe sie „erst aufgebaut und so groß gemacht“, erzählt Brita Steinwendtner. Jetzt übergibt Brita Steinwendtner die Leitung an Ines Schütz und Manfred Mittermayer. „Für einen Einzelnen, der einen Beruf ausübt, sind die Rauriser Literaturtage heute groß.“

Zu Beginn ihrer Intendanz seien vier, fünf Autoren in Rauris zu Gast gewesen, heute seien es 17, 18. Dazu kämen Diskussionsleiter, Einführende, Mitarbeiter: „Es ist heute ein weit gestreutes Literaturfest. Drei Universitäten sind zu Gast, man muss die Medien gut betreuen, aber auch die Rauriser, die Stör-Familien… Jemand der voll im eigenen Beruf steht, schafft die Organisation heute nicht mehr allein.“

Es habe, so Brita Steinwendtner, die von 21. bis 25. März ihre letzten Literaturtage leiten wird, „viele Überlegungen“ zu ihrer Nachfolge gegeben. „Es gibt ja großartige Menschen in Salzburg, die alle in Frage gekommen wären.“ Jemanden aus Stadt oder Land Salzburg habe man sich erhofft. „Vor allem aber sollten es Menschen sein, die in der Mitte des Lebens stehen, die viel Erfahrung mitbringen - aber auch noch viel Zeit vor sich haben.“ Sie sei, so Brita Steinwendtner, überglücklich mit der Entscheidung für Ines Schütz und Manfred Mittermayer: „Ein guter Weg für die Literatur und ein guter Weg für die Rauriser. Das Festival findet nun einmal dort in diesem Dorf statt, mit den Menschen dort - und nicht etwa in einem Universitätsbetrieb. Das erfordert viel Feingefühl. Diese Literaturtage sind mehr als nur eine Aneinanderreihung von Lesungen: Sie sind der Versuch, Menschen einer ganzen Region und ihre Gäste zusammenzuführen durch die Faszination von Dichtung.“

Der Bürgermeister von Rauris Robert Reiter, Kulturlandesrat LH.-Stvr. David Brenner und Brita Steinwendtner stellten heute Mittwoch (25.1.) das neue Leitungsteam vor.

altInes Schütz wurde 1974 in Linz geboren. Sie studierte Germanistik, Französisch und Italienisch an der Universität Salzburg. Ab 1995 arbeitete sie am Aufbau der Mediathek im Literaturhaus Salzburg mit. Von 1997 bis 2003 leitete sie Bibliothek und Mediathek im Literaturhaus, wo sie auch zahlreiche Ausstellungen kuratiert und unzählige Lesungen eingeleitet und Veranstaltungen begleitet hat.

Ines Schütz war als Redakteurin und Moderatorin bei verschiedenen Medien tätig, leitete etwa von 2000 bis 2007 die monatliche Literatur-Sendung „Radio Literaturhaus“ in der Radiofabrik, oder wirkte in den Jahren 2002 bis 2006 beim „LiteRadio“ der Frankfurter und der Leipziger Buchmesse mit - einem Gemeinschaftsprojekt der Freien Radios Österreich. Seit 2003 ist Ines Schütz Redaktionsmitglied der Literaturzeitschrift SALZ. Seit 2007 unterrichtet sie Deutsch, Französisch, Kommunikation und Darstellendes Spiel am BG/BRG Hallein. Zu ihren Veröffentlichungen zählen Übersetzungen („Lass es mich wissen“ von Pino Roveredo gemeinsam mit Catherine Danielopol oder „Castro ist tot“ von Didier Goupil), Artikel in der Salzburger Woche, im Kunstfehler sowie in den Literaturzeitschriften SALZ und Wagn!s. 2001/2004 hat sie die Doppel-CD „Best of Literaturhaus Salzburg“ in der Edition Eizenbergerhof herausgegeben.

altManfred Mittermayer, Jahrgang 1959, studierte Germanistik und Anglistik. Er war 2005 bis 2012 Mitarbeiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Geschichte und Theorie der Biographie und ist seit 2012 Leiter des Literaturarchivs Salzburg. Seine Arbeitsschwerpunkte sind österreichische Literatur nach 1945, Literatur und Film, Biographie und Film, Literatur im Fremdsprachenunterricht, sowie internationale Lehrerfortbildung.

Ein Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit gilt Thomas Bernhard: Manfred Mittermayer gehört zum Herausgeberteam der Thomas-Bernhard-Werkausgabe, die im Suhrkamp Verlag erscheint. In diesem Verlag ist 2006 auch die BasisBiographie „Thomas Bernhard. Leben Werk Wirkung“ erschienen, im Metzler Verlag die Einführung „Thomas Bernhard“. Darüber hinaus hat Manfred Mitterayer  Lehrbücher, Aufsätze zur Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, zu Film, Biographie und Autobiographie veröffentlicht. Auch als Ausstellungsgestalter hat Mittermayer sich einen Namen gemacht: „Thomas Bernhard und seine Lebensmenschen“ wurde 2001 in Wien und danach auf zahlreichen internationalen Stationen gezeigt. „Thomas Bernhard und Salzburg“ war 2001 in Salzburg zu sehen, „Thomas Bernhard und das Theater“ 2009/10 in Wien. Manfred Mittermayer ist Vorstandsmitglied der Internationalen Thomas Bernhard Gesellschaft und Mitglied des Adalbert-Stifter-Instituts des Landes Oberösterreich.
Zu seinen jüngsten Buchpublikationen zählen „Ikonen Helden Außenseiter. Film und Biographie“ (Wien 2009), "Die Rampe Portrait: Christoph Ransmayr“ (Linz 2009), „Österreich selbst ist nichts als eine Bühne. Thomas Bernhard und das Theater“ (Wien 2009) sowie „Mythos Bachmann. Zwischen Inszenierung und Selbstinszenierung“ (Wien 2011).

Zum Porträt Brita Steinwendtner Leidenschaft und Feingefühl
Bilder: Wolf Steinwendtner


 

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