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„Die Seele hat mitgeschwungen“

IM PORTRÄT / WERNER HÖLZL

22/05/12 Junge Werbedesigner müssen sich vorkommen wie in der Höhle eines Dinosauriers. Den Computer, so sagt Werner Hölzl, verwende er eigentlich nur zum Mailen. Sonst greift er als Graphiker nach wie vor lieber zu Bleistift oder Pinsel. Er ist eben einer aus der Generation „PreMac“, der eine Schau in der Berchtoldvilla gilt.

Von Reinhard Kriechbaum

Auch wer den Namen Werner Hölzl nicht kennt, hat mit ziemlicher Sicherheit schon von ihm entworfene Dinge in Händen gehabt. Zum Beispiel die kleinen Karton-Schächtelchen, in denen die in Salzburg/Liefering ansässige Firma Teekanne ihre praktischen Beutelchen verkauft. „32 Jahre habe ich für Teekanne gearbeitet“, erinnert sich Hölzl. Und ebenso lange war er fürs Verpackungsdesign und die Plakate von Woerle-Käse zuständig, Stichwörter: Happy Cow oder Happy Sheep. Vor allem aber hat Werner Hölzl für Landesausstellungen gemalt und gezeichnet. Unser Bild von den Kelten kommt weitgehend aus seinem Malkasten.

Was jetzt „Graphikdesign“ heißt, nannte man früher „Gebrauchsgraphik“. Vier Salzburger – neben Werner Hölzl noch Regine Otrel, Christine Salzmann-Muhr und Volker Uiberreither – zeigen nun in der Berchtoldvilla Dinge, die in den Jahren 1960 bis 1980 an Plakatwänden und Litfasssäulen geklebt sind. Schmunzeln muss man manchmal, nicht nur angesichts der handgemalten Gondel, mit der Volker Uiberreither fürs Schifahren auf der Schmittenhöhe warb. „Ball der Salzburger Festspiele“, ein güldener Fächer vor dem Schloss Kleßheim: Was heuer vom neuen Intendanten ganz neu erfunden wird, hat es auch schon mal gegeben, und Christine Salzmann-Muhr hat damals das Plakat gezeichnet.

Doch zurück zu Werner Hölzl: Jede Schrift wurde damals handgezeichnet. Die großen Buchstaben wurden ausgeschnitten, dann so aneinandergerückt, dass sie optisch proportioniert zueinander standen. Heute macht man so etwas vorwiegend am Bildschirm des „Mac“. Aber, wie Hölzl bedauert: „Graphikprogramme sind alle gleich, von Amerika bis Japan.“ Das führe zwar zu schnelleren, aber deutlich weniger charmanten Ergebnissen. Viele individuelle Feinheiten seien verloren gegangen, vor allem beim Schriftausgleich. Darüber klagt auch Hölzls Kollegin Christine Salzmann-Muhr: „Die Schrift würde oft schreien, könnte sie es.“

Aber nicht nur der Computer hat die Arbeitswelt der alten „Gebrauchsgraphiker“ gekippt. Einige Wehmut schwingt mit, wenn Werner Hölzl vom Gesprächsklima damals erzählt. „Die Ideen wurden im Gespräch mit dem Firmenchef entwickelt, der Kontakt mit dem Kunden war also sehr persönlich.“ Das habe auf beiden Seiten zu hoher Identifikation geführt. „Die Seele hat mitgeschwungen.“ Jetzt habe man als Graphiker eher mit PR- und Marketingfirmen zu tun.

altIn seinem Atelier in Liefering hat Werner Hölzl manche Dinge gemacht, die einem in der Schau in der Berchtoldvilla zu einem Aha-Erlebnis verhelfen. Manche Bierreklame von Sigl bis Huber-Bräu hat man noch im Kopf, und an einige Plakate der damaligen „Szene der Jugend“ erinnert man sich natürlich auch wieder. Bis 1980 hat Hölzl für die Szene gearbeitet, „dann habe ich gesagt, das muss eine andere Generation machen“. Er ist Jahrgang 1944, sein Handwerk gelernt hat er bei dem Illustrator, Maler und Graphiker Josef Prem und bei Ludwig Steffny.

Der „Sparefroh“ der Bergerbank war ein Bär.  Vom Obus-Linienplan über den „dynamischen New Look bei Hosen von Feller“, das Design von Spielzeugschachteln bis zur Werbung für Gmundner Keramik – die Themenvielfalt macht Staunen. Halb schmunzelnd, halb zähneknirschend erzählt Werner Hölzl von einer Arbeit für den griechischen Reeder Aristoteles Onassis. Dem gehörte damals auch die griechische Fluglinie. „Feel like an Olympian at Olympic Airways“ steht auf Hölzls Plakatentwurf. Der wurde leider nicht gewählt. „Aber die Motive sind als Postkarten überall im Land aufgetaucht, und ich habe finanziell durch die Finger geschaut.“

Die Schau „PreMac“ ist bis 16. Juni bei der Berufsvereinigung Bildender Künstler in der Berchtoldvilla zu sehen. – www.artbv-salzburg.at
Bilder: dpk-krie (1); Werner Hölzl (3)

 

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