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Ein Solitär im Solitär

UNIVERSITÄT MOZARTEUM / PETER LANG

28/03/12 Der zweite Abend der Auseinandersetzung des Pianisten Peter Lang mit den 32 Klaviersonaten Beethovens im Solitär kreiste um die „Sturm-Sonate“. Auf jeden Fall ist diese Serie ein Solitär im Salzburger Konzertleben.

Von Gottfried Franz Kasparek

Peter Lang begann mit der A-Dur-Sonate op. 2/2, einem Frühwerk, das gleichsam spielerisch in Neuland vorstößt und verschiedene traditionelle Formen ausprobiert. Lang beleuchtete die strukturellen Feinheiten des Stücks mit klarem, konzisem Anschlag und souveränem Überblick.

Grandios ausgewogen zwischen poetischer Verinnerlichung und pianistischer Virtuosität erklang danach ein durchaus gebändigter, klug dosierter „Sturm“. Es geht in dieser populären d-Moll-Sonate op. 31/2 ja auch nicht um ein malerisches Naturereignis, sondern – wahrscheinlich – um Shakespeare. Ob diese Inspiration nun an bestimmten Szenen des Dramas festzumachen ist oder nicht, sei dahingestellt. Wunderbar, wie Peter Lang die wahrlich rhetorischen Qualitäten der ersten beiden Sätze in glasklarer Präzision darzustellen vermag und dabei doch in den lyrischen Abschnitten des Adagios berühren kann, wenn  auf einmal die Zeit stillzustehen scheint. Das Finale mit seiner eingängigen Melodik und seinen virtuosen und orchestralen Effekten wird dann auch weit mehr als ein beliebtes Bravourstück, wird eine packende dramatische Erzählung.

Ein besonders experimentelles Stück ist die zweisätzige Fis-Dur-Sonate op. 78. Ganz deutlich klopft hier die Romantik an die Pforten der Klassik. Ähnlichkeiten mit Schubert in der melodischen Formulierung mögen merkbar sein, die Verarbeitung passiert bei Beethoven jedoch ungleich lapidarer. Peter Lang bewies auch da seine Kompetenz und durchgeistigte Persönlichkeit.

Am Ende stand die erste der drei letzten Sonaten, jene in E-Dur op. 109. Dies ist durchdacht gewählt, denn die Andeutungen der früheren Werke geraten hier sozusagen „außer sich“ und zeigen Beethoven als einen „Zeitgenossen der Zukunft“, der die Sonatenform von innen sprengte und die Grenzen zwischen Sonate und freier Phantasie verwischte. Wundersam ausgewogen zwischen Geist und Gefühl gelang Lang nach zwei überlegen durchgestalteten Sätzen der Finalsatz mit seiner bereits zutiefst romantischen Kantilene und der fortgeschrittenen Kunst der Variation, die in unterschiedlichste emotionale Bereiche führt.

Großer, berechtigter Jubel im ausverkauften Saal. Peter Lang belohnte die Ovationen mit hochromantischem, aber leuchtend konturiertem Brahms und jener verblüffenden c-Moll-Fantasie Mozarts, die schon deutlich auf Beethoven voraus weist.

Der nächste Termin im Beethoven-Sonatenzyklus von Peter Lang: 4. Juni, 20 Uhr, Solitär, zum Thema „Pathetique“ - www.moz.ac.at
Bild: www.peter.lang.at

 

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