Wer heuer die Jahresstipendien bekommt

DOKUMENTATION / KUNSTFÖRDERUNG

18/11/10 Jedes Jahr vergibt die Kunstförderung des Landes Jahresstipendien für Musik, Film, Literatur und Bildende Kunst. Die Preisträger heuer sind Andrea Grill,  Rudolf Pinto do Amaral, Stephan Maria Karl und Peter Kronreif sowie Kathi Hofer.

Im Bereich Literatur wählte die Jury (Karin Buttenhauser, ORF Salzburg; Pia Wolf, Stefan-Zweig-Zentrum; und Günther Stocker, Universität Wien) einstimmig Andrea Grill aus den insgesamt zwanzig Einreichungen aus. In der Jurybegründung heißt es unter anderem: "Das Romanprojekt ‘Ellbog‘ überzeugt durch Originalität und sprachliche Sensibilität. Die Geschichte um einen Züchter seltener Nachtfalter namens Ellbog, der kurz vor seinem 34. Geburtstag sein Leben umkrempelt, verbindet Elemente des Familienromans mit magischen, ja surrealen Bildern. So ist hier ein Text im Entstehen, der psychologisches Feingefühl mit poetischem Wagemut verbindet. Im sensiblen und eigenwilligen Titelhelden steckt das Potenzial zu einer spannungsreichen literarischen Figur, an deren Schicksal man als Leser/in mit Interesse Anteil nimmt."

Für seinen Dokumentarfilm "Heaven Earth" über den Schamanismus ist Rudolf Pinto do Amaral das Jahresstipendium Film zugesprochen worden. Die Jury (Andrea Amentisch, Martina Greil, Stefan Wagner) zeigte sich von der harmonischen Bildsprache und der unkonventionellen Herangehensweise ans Thema überzeugt: "Er versucht seine Augen auf das Wesentliche zu richten.“ Das Stipendium soll dem Filmemacher die Möglichkeit geben, sein (aktuelles) Projekt über einen Gasteiner Perchtenmaskenschnitzer umzusetzen. „Er leistet mit der Realisierung dieses Projektes einen Beitrag, die Wurzeln eines Brauchtums nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“, so die Jury, die Rudolf Pinto do Amaral aus 13 Einreichungen für dieses Jahresstipendium auswählte.

Das Jahresstipendium für Musik wird aufgeteilt, der Komponist Stephan Maria Karl und der Schlagzeuger Peter Kronreif erhalten je 5.000 Euro. Die Jury bestand aus Andreas Schablas (Musiker im Österreichischen Ensemble für Neue Musik), Gottfried Kasparek (Musikkritiker und -veranstalter) sowie Christoph Lindenbauer (Musiker und Kulturjournalist) und votierte einstimmig für die beiden Preisträger.

Sie attestieren Peter Kronreif unter anderem "herausragendes technisches Können, hohe Virtuosität und die Fähigkeit, eine Band nicht nur zu begleiten, sondern mit seinem Spiel zu gestalten und den Sound mitzuprägen". Außerdem habe Kronreif, der in Salzburg und New York lebt, eine CD vorgelegt, auf der auch Eigenkompositionen zu finden seien, die ihn als "niveauvollen und kreativen Erfinder von Musik" ausweise. Seine "hohe musiktechnische Meisterschaft lässt auf eine internationale Karriere hoffen".

Der Komponist Stephan Maria Karl habe sich laut Jury in den vergangenen Jahren zu "einem der innovativsten und eigenwilligsten unter den jungen, aufstrebenden Komponisten der österreichischen Musikszene entwickelt. Mit großer Begabung und Sinn für Klangfarben ausgestattet, sucht er mit handwerklichem Können und Energie einen originellen Weg, Musik unserer Zeit zu schreiben.“ Der 1978 in der Stadt Salzburg geborene Stephan Maria Karl lebt derzeit in London. "Dort bildet er sich zielstrebig fort. Das Musikstipendium des Landes Salzburg soll ihm in nächster Zeit zu größerer finanzieller Unabhängigkeit verhelfen.“

„Das breite philosophische und grundlegende künstlerische Interesse“ von Kathi Hofer überzeugte die Jury in der Sparte Bildende Kunst. Ihr gehörten der Künstler Martin Oberascher, die Mozarteum-Professorin Beate Terfloth und Gabriele Wagner (Galerie Fotohof, Vorsitzende des Fachbeirates Bildende Kunst im Landeskulturbeirat) an. „Kathi Hofer interessiert sich für Themen mit historischem Hintergrund, die noch aktuell gültig sind und auch einen Zusammenhang mit ihrer eigenen Tätigkeit als Künstlerin haben.“ Der Anspruch der Künstlerin, "Kunst ist ... dort am geistreichsten, wo sie a-systematisch ist, wo sie sinnlich und assoziativ argumentiert statt analytisch“, werde in ihren Arbeiten konkretisiert. Die Mittel - künstlerische Fotografie, Rauminstallation, Bildhauerei und Malerei - werden von Kathi Hofer nach Ansicht der Jury „innovativ, übergreifend und auf hohem künstlerischem Niveau angewandt.“ (Landeskorrespondenz)