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Oh Tannenbaum

STICH-WORT

22/12/10 Eine Kulturschande? Angeblich stehen in sieben Prozent der österreichischen Haushalte Christbäume aus Plastik. Das meldete am Wochenende die "Kathpress", und man beruft sich auf Informationen der Arbeitsgemeinschaft niederösterreichischer Christbaumproduzenten. Wir hoffen, dass die Plastik-Bilanz in traditionsverbundenen Salzburg deutlich besser ausfällt.

Die trostreiche Botschaft: Die meisten Österreicher greifen ja doch zur Nordmanntanne. Fast 90 Prozent der Christbäume stammen aus heimischer Produktion, was 2,2 Millionen Exemplaren entspricht. Von einem Christbaummangel, wie er Europa heimsucht, könne daher in Österreich nicht die Rede sein, beruhigte Karl Schuster, Geschäftsführer der christbäumlichen ARGE, kürzlich bei einer Pressekonferenz in Wien. Der Grund für die europaweite Krise: "Von 2002 bis 2007 wurden die Christbaum-Anbauflächen im Norden Europas um bis zu 15 Prozent reduziert."

In Deutschland, dem größten Christbaumproduzenten, haben beispielsweise starke Frostschäden in den vergangenen Jahren zu einem Rückgang im Baumbestand geführt. Zusätzlich hat der stetige Preisverfall bei vielen Produzenten eine Reduktion der Anbauflächen nach sich gezogen. So fehlen derzeit in Europa zwei bis zweieinhalb Millionen Christbäume. Die Folge: Im Vorjahr stiegen die Preise der Christbäume aus Norddeutschland oder Dänemark - dem größten Baumexporteur in Europa - um 20 Prozent, heuer wird eine Erhöhung von 10 Prozent erwartet.

Die Präsidentin der Naturschutzplattform BIOSA (der Land- und Forstbetriebe Österreich), Hermine Hackl, kennt neben dem Preis noch andere Gründe, wieso die Weihnachtsgeschenke unter einen gewachsenen Baum aus heimischer Produktion gelegt werden sollen: "Ein echter Christbaum ist nicht nur ein Einzelstück aus der Natur, sondern auch ein echter Beitrag zum Klimaschutz". Alleine wegen der kürzeren Transportwege sei es umwelt- und klimafreundlicher, so Hackl, Christbäume vom benachbarten Bauern, Förster oder Gärtner zu kaufen.

Ein heimischer Christbaum werde im Durchschnitt 40 Kilometer weit transportiert, bis er verkauft wird. Bei einem dänischen oder norddeutschen Christbaum seien es gerne einmal 1.000 Kilometer und mehr. "Abgesehen davon ist ein Baum aus der Nähe zwangsläufig frischer und damit auch haltbarer als ein weit gereister", ergänzt Hackl.

Über die Klimabilanz jenes Christbaumes, der seit 1982 jährlich als Geschenk auf den römischen Petersplatz geliefert wird, ist im übrigen nichts weiter bekannt. Nur soviel: er stammt heuer aus Südtirol, von wo er in der Vorwoche per Tieflader geliefert wurde. Damit fällt die Klimabilanz zumindest ein wenig positiver aus als im Vorjahr, als der Baum aus dem deutlich weiter von Rom entfernten Belgien stammte.

Um die Haltbarkeit zu erhöhen, schwört so mancher Christbaumverkäufer auf den Baumschnitt in bestimmten Mondphasen. Peter Mayer, der Leiter des Bundesamts für Wald, hat im zugehörigen Waldforschungszentrum ebendies getestet und zu unterschiedlichen Zeiten geschnittene Tannen und Fichten in einem kühlen Keller gelagert. Das Ergebnis: "Die Entnadelung ist unabhängig vom Schnittzeitpunkt gleich abgelaufen." Jedoch, wie sich herausstellte, nicht unabhängig von der jeweiligen Baumart: So behielten die Tannen für längere Zeit ihr grünes Kleid, als die heimischen Fichten. Bis auf die Blaufichte - diese könne mit der Tanne durchaus mithalten.

Viel wichtiger als der Blick auf den Mondkalender wäre es, den Baum ordentlich zu wässern: Ein einheimischer Christbaum nähme aus dem Wasserständer pro Tag rund sechs Liter Wasser auf. Wenn man ihn lässt … (Kathpress)

Und was hängt man hierzulande als Kultur-bewusster Mensch eigentlich auf den Weihnachtsbaum? Dazu ein Buchtipp: DrehPunktKultur-Chefredakteur Reinhard Kriechbaum hat ein Buch "Weihnachtsbräuche in Österreich" (Verlag Pustet, 24.- Euro) geschrieben. Dort kann man unter anderem nachlesen, warum ein stilvoller "Bauernchristbaum" eigentlich ein Unding ist.

 

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