Fräulein Ben Hur

SALZBURGER SOMMERTHEATER / BEN HUR

05/08/10 Es wird gegrapscht und „gegendert“. Warum sich ausgerechnet der Monumentalfilm „Ben Hur“ für eine scherzhafte Feminismuskritik qualifiziert, bleibt bei der feministisch-komödiantischen Neuauflage im Kleinen Theater ungeklärt. Dennoch: ein rasantes, in der Länge dem Film-Vorbild nacheiferndes, dabei kurzweiliges Stück mit Ambitionen à la Monty Python.

Von Magdalena Stieb

„Ben Hur“ ist ein Monumentalfilm, filmgeschichtlich in Stein gemeißelt, und aufgrund seiner gigantischen Machart und der historisch anmutenden Inhalte nur schwer angreifbar. Das Schauspieler-Quartett um Regisseurin Caroline Richards nahm sich dieser delikaten Aufgabe an und führten dem Publikum eine humorvolle Adaption der Geschichte von Juda Ben Hur und seiner Familie vor.

Schon bald wurde bei der Premiere am Mittwoch (4.8.) im „Kleinen Theater“ ein Geheimnis der Gestalt Juda Ben Hur gelüftet: Er ist eigentlich eine Frau. Daraus ergeben sich nun laufend sexistische Anspielungen aller Art. Es wird gegrapscht und „gegendert“. Im „Hur Haus“ treibt Ben Hurs kratzbürstige Zigarren rauchende Mutter Alma ihre Spielchen  mit H. F.: Messala, in Buch und Film Ben Hurs Jugendfreund und römischer Soldat, wird von ihr als „Heißer Fick“ gedeutet.

Torsten Hermentin, Peter Malzer, Hildegard Starlinger und Markus Zett  bewegen sich zwischen Situationskomik, gekonnten Gesangseinlagen, Wortspiel und klischeehaft kitschig aufgeblasenen Liebesszenen. Alles das auf der gekünstelt improvisierten Bühne von Anne Buffetrille und Markus Steinwender mit provisorischen Mitteln wie einem Wischmopp als zeitweiligen Ersatz für den letzten Schauspieler, der sich zur geplanten Aufführung verspätet.

Die Zuseher fanden sich gemächlich in den Witz der Aufführung, die sich nicht recht zwischen Comedy, Kabarett und Schauspiel entscheiden kann. Die angekündigten Attraktionen der Galeerenfahrt und des Wagenrennens ließen wie erwartet die Gemüter aufleben. Besonders Ersteres forderte das Publikum heraus - Interaktion war gefragt. Mit großer Überzeugungskraft verwandelte der Sklaventreiber den Zuseherraum in eine Galeere, voll mit Sklaven, die im Rhythmus der Trommel zu „rudern“ hatten. Die Umsetzung der gestellten Aufgabe – eine witzreiche Hommage an den imposanten Film – ließ immer wieder kreativ humorvolle Sequenzen sehen.

Doch blieben, neben der Einleitung mit der minutenlang eingespielten epischen Filmmusik, außergewöhnlich treffende Anspielungen auf den Film aus. Es handelt sich um ein rasantes, in der Länge dem Vorbild des Films nacheiferndes, trotzdem aber kurzweiliges und durchaus reizvolles Stück mit Ambitionen à la Monty Python.

Am Ende findet auch die gesamte Gender-Komödie ihren würdigen Abschluss: Gott kommt zu Wort, entpuppt sich als eine Frau und fordert die Schauspieler zur Entschuldigung für ihr rüdes, oft sexistisches Verhalten beim Publikum auf - was dieses mit abschließendem Applaus quittiert.

Bilder: Salzburger Sommertheater
Weitere Aufführungen beim „Salzburger Sommertheater“: www.kleinestheater.at