Den Terroristen und Yuppies ins Stammbuch. Aber heftig.

SCHAUSPIELHAUS / GEÄCHTET

09/05/18 Amerikanische Malerin, mit Hang zur alt-arabischen Kunst. Krypto-muslimischer Star-Anwalt, amerikanischer als jeder Amerikaner, abgestoßen vom intoleranten Islam. Überredet von ihr, verteidigt er einen Hass-Prediger vor Gericht. Das spricht sich herum und aus ist es mit Karriere, Ehe und amerikanischem Traum. So wird Amir zu dem, der er nie sein wollte – zu einem gewalttätigen Moslem.

Von Heidemarie Klabacher

„Geächtet“ bringt – in Tagen religiösen Terrors und wachsender religiöser und sonstiger Intoleranz  – viele wichtige Fragen und Probleme auf die Bühne: solche kultureller, religiöser oder soziologischer Natur, die freilich deutlich mehr Weit- und Einsicht verlangten, als stammbuch-taugliche Sentenzen destilliert aus angelesenen Wissens-Häppchen.

Hat da jemand entdeckt, dass nicht nur die Römer und Griechen an der „Wiege“ unserer westlichen Kultur gestanden sind, sondern ganz maßgeblich auch und zuerst die Araber? Das weiß jeder, der „Der Name der Rose gelesen“ und zuvor in arabischen Ziffern das „1 mal 1“ gelernt hat. Die überzeichnet welt-retterische und blind-naive Präpotenz voller unausrottbarer Vorurteile, mit der der Autor Ayad Akhtar seine amerikanischen Yuppies von ihrer Penthouse-Suite in New York auf den Rest der Welt hinab blicken lässt, sorgen im Schauspielhaus für eher mühsame eineinhalb Stunden.

Das liegt nicht an den Darstellern - Bülent Özdil, Juliane Schwabe, Matthias Hinz und Tilla Rath - die die Sinn-Sprüche und Sentenzen redlich bemüht rezitieren und versuchen mit Leben zu füllen; das liegt nicht am Bühnenbild von Annett Lausberg, einer Holztreppe mit Blumengebinde oben, das mit solch einfachen Mitteln Reichtum und Luxus andeutet; liegt auch nicht an der Regie von Christoph Batscheider, die sich ebenso redlich bemüht, das gestelzte Quartett aus zwei Star-Anwälten, einer Künstlerin und einem Galeristen auf Tempo zu bringen.

Klar, dass die Probleme der Welt und die Gründe für den radikalen Islam von niemandem sonst erkannt werden, als von amerikanischen Yuppies? Die vielen Twists zwischen Naivität und Vorurteil sind nicht schlecht erdacht und ergäben viele Themenstellungen für Erörterungen in der Aufsatzkunst der Oberstufe. „Darf sie ihren Mann verlassen, nachdem er zu dem geworden ist, was sie immer wollte, dass er sei: ein Moslem aus dem Musterbuch der Vorurteile.“

Ganz besonders nerv-tötend sind die ungeniert belehrenden Kuratoren-Gewäsch-Kunst-Exkurse, sei es über arabische Kunst, Bildbetrachtung oder Velasquez. Niemand außer einem Penthouse-Bewohner der Upper-Eastside hat noch je von Velasquez gehört. Oder was?

„Geächtet“ wird landauf-landab gespielt. Wirklich komplexe und drängend aktuelle Probleme werden darin mit Schick und zeitgeistiger Oberflächlichkeit als rettendes Evangelium vorgeführt. Die Moslems machen es auf jeden Fall falsch – seien sie nun assimiliert oder radikal? Amerikaner haben lauter Vorurteile – und wären sie noch so hipp? Oder wie?

Geächtet – Aufführungen im Schauspielhaus-Studio bis 23. Juni - www.schauspielhaus-salzburg.at
Bild: SSH/Jan Friese